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Autor Thema: [Intime] In der Höhle des Opferlamms  (Gelesen 117923 mal)
Beschreibung: Teil Eins - Kapitel II
Alukard
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« Antworten #120 am: April 16, 2010, 00:47:30 »

Trotz der Müdigkeit schaffte es Nathalia, ein Lächeln zu Stande zu bringen. Die letzten Gefühle und Gedanken waren wie weg gewischt. "Ich hab dich auch lieb, wenn  ich auch manches Mal Lust hätte dich zu... ." Nathalia schmunzelte, als sie wieder auf die Beine kam. Sie hatte den Ton in der Stimme ihres Mentors nicht überhört. Mentor...sie suchte in der Dunkelheit nach den anderen. Jeder von ihnen hatte einen Mentor...der eine suchte seinen, der andere hatten einen Vogel und sie selbst einen Geist.

Mit ihren verstärkten Sinnen suchte Nathalia die Höhle ab. Ihre Augen konnten nicht durch die Dunkelheit blicken. Stattdessen lauschte sie nun nach Geräuschen und hörte das Schaben von Schuhen auf dem Untergrund. Irgendjemand bewegte sich wohl nicht galant durch die Höhle. Nathalia tastete sich vorsichtig von der Wand weg. Wenn ein Hindernis in ihrem Weg war, umrundete sie dieses. Es war schmerzhaft. Immer wieder stieß sie an einem Tropfstein an. Ihre Laune wurde dadurch nicht getrübt, doch die Müdigkeit reizte sie. Ein Knurren entsprang ihrer Kehle.

Sie rief nach den anderen, damit sie sie orten konnte.

"Remy, Fedai! Wo seit ihr?!", sagte sie laut in die Dunkelheit hinein. Sie musste sich den Tropfen hingeben. Das Gefühl einen in den Nacken zu bekommen, war wie  ein Schlag auf die Schulter und sie zuckte zusammen. Sie lauschte in die Dunkelheit hinein. Früher hätte sie dem Atem angehalten. Es hatte seine Vorteile, wenn man tot ist.

Ihre Schuhe hatte sie nicht vergessen und sich vorher übergestreift. Sie lenkte sich mit den Gedanken an die Erde ab und wartete auf Antwort. Es war immerhin so, dass das Ritual eine Zeit gebraucht hatte. 'Wie ist es möglich, dass ich aus Erde Erde mache? Liegt es an meinen Künsten? Ich sollte mich näher damit beschäftigen... .'

"Remy?! Fedai!", wieder lauschte sie ihrem Echo und ging mit den Hand ausgestreckt an der Wand entlang. Die Rechte Hand berührte dabei stetig die feuchte Höhlenwand. Sie fühlte sich irgendwie verbunden mit dieser Erde...an ihrem Fuß.

Schnell und geschickt suchte sie sich einen Weg... .
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« Antworten #121 am: April 20, 2010, 22:23:09 »

Fedai drehte sich nicht einmal um bei Remys Worten. Nur ein düsteres, spöttisches Lachen war in der Finsternis zu vernehmen. Armer gottesfürchtiger Narr. Sklave seines Aberglaubens.

"Wenn du einen anderen Herren als dich selbst brauchst um dein Schicksal zu schmieden bist du bedauernswerter als dein Opferlamm. Wenn du jemanden brauchst um ihn vor dich zu halten um von deinen eigenen Fähigkeiten abzulenken bist du nichts als ein feiges Nichts das sich vor seiner ganz persönlichen Verantwortung zu drücken versucht. Es ist nicht euer Gott der Menschen tötet, Familien schlachtet und dich in die Finsternis schickt.
Es ist der Mensch selbst. Du bist es selbst ... und niemand nimmt dir die Verantwortung für deine Taten und dein Leben Mönch."

Der Gangrel begab sich zu jenem Felsoval und suchte sich eine passende Stelle um hindurch zu können um einen Schlafplatz zu finden. Er brauchte nicht viel. Auf nacktem Stein zu schlafen störte den toten Körper den er nun beherbergte nicht. Komfort brauchte er nicht.

"Man wirft uns Nordleuten immer Brutalität und Grausamkeit vor, wo Stärke und Ehre unsere Gesellschaft dominieren. Ihr hingegen rühmt euch eurer Nächstenliebe und Barmherzigkeit und doch tötet und foltert ihr jeden der euren Glauben nicht teilt. Die Ritter deren Spur ich verfolge sich auch nichts als blinde, mordgeifernde Christen die eurem Gott durch Blut zu dienen gedenken."

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Aphiel
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« Antworten #122 am: April 20, 2010, 23:13:13 »

Remy geriet nicht ins Stocken, als er Fedai so reden hörte. Er beendete den Psalm, dachte einen Moment über dessen Worte nach und sagte dann: "Ihr wollt sicher nur nicht anerkennen, dass Euch auch Euer Leben einst vom Allmächtigen geschenkt wurde, und dass auch Ihr nur das Schicksal erfüllt, das Gott für Euch vorgesehen hat. Solltet Ihr tatsächlich glauben, Euer Leben wäre ohne Gott besser, so ist dies Eure Entscheidung. Er zürnt Euch dafür gewiss nicht, doch hoffe ich für Euch, dass Ihr bis zum Tag des Jüngsten Gerichts diese Entscheidung überdenken werdet, denn bis dahin gibt es noch Hoffnung für Eure Seele. Dort werden wir alle gerichtet, und zwar für unsere eigenen Taten. Ich habe also keinen Grund, mich vor Gottes Richtspruch zu verstecken; ich drücke mich vor keiner Verantwortung und ich habe auch niemanden getötet. Doch solltet Ihr wissen, dass niemand, keine Kreatur, kein Mensch, kein Engel und auch kein Kainskind, größer ist als Gott. Ihr hoffe werdet dies auch noch einsehen; und ich bete dafür, dass Ihr es rechtzeitig erkennt und euch von Christus erlösen und auf dem Pfad des Heils führen lasst."

Remy für seinen Teil spürte nun überdeutlich die Müdigkeit in sich aufsteigen, die bei jedem Sonnenaufgang von ihm Besitz ergriff. Also suchte er sich einen halbwegs bequemen Ort zum Ruhen und legte sich hin.

Als Fedai jedoch noch weitersprach, kam er nicht umhin, ihm auch ein weiteres Mal zu antworten.

"Diese Ritter, von denen Ihr sprecht...  blind sind sie in der Tat, und sie sind ebenso meine Feinde, wie Eure. Doch ebenso blind seid Ihr, wenn Ihr nicht zwischen ihnen und anderen Christen unterscheiden könnt. Immerhin erkennen sie nicht, wie unwissend sie tatsächlich sind. Ihr hingegen seid euch des Fehlers bewusst, und doch sind in Euren Augen alle Christen gleich? Wer ist wohl der wahrhaft Blinde, Fedai?"

Nach einer kurzen Pause fügte er noch hinzu: "Außerdem wissen sie etwas, das ich unbedingt in Erfahrung bringen muss. Wenn wir sie denn finden, wäre ich Euch verbunden, falls Ihr Euren Drang zu töten so lange im Zaum halten könntet, bis sie mir Rede und Antwort stehen konnten. Immerhin sind sie keine einfachen Tiere, wie der Esel da draußen, und selbst Euch traue ich so viel ... wie nanntet ihr es? Ehre? Jedenfalls traue ich euch zu, dass ihr denn einen Menschen nicht einfach umbringt, sondern zumindest einen Augenblick darüber nachdenkt, dass ihr damit den wichtigsten Teil von Gottes Schöpfung tötet, die Krone … aah!"

Nathalias Stimme schallte in diesem Augenblick überdeutlich an sein Ohr und zwar so laut, dass Remy auf der Stelle die Macht seiner verstärkten Sinne fallen ließ. Er brauchte wahrhaftig dringend seine Ruhe.

"Nathalia, wie sind hier" rief er, ohne sich nochmal zu erheben. Zu schwer waren bereits seine Glieder. Er wartete, bis sie bei ihnen war, und fuhr dann in angemessenerer Lautstärke fort. "Ich wollte mich gerade zur Ruhe begeben, denn ich fühle, wie der Sonnenaufgang naht. Wenn es also nichts dringendes mehr gibt, dann lasst uns in der kommenden Nacht darüber sprechen."

Sodann faltete er die Hände, schloss seine Augen und betete. Er hatte dies die letzten Nächte deutlich weniger getan als noch zu Lebzeiten. Vorrangig lag das daran, dass er sich mehr und mehr Sorgen um Jonathan machte. Dabei hatte er doch sonst immer im Gebet Trost finden können. Er schämte sich dafür, dass er nicht eher den Allmächtigen um die Ruhe und die Klarheit gebeten hatte, die hier nötig waren, um diese Prüfung zu meistern. Insbesondere nun, da Fedai bei ihnen war. An seiner Überzeugung, dass dieser bösen Mächten diente, hatte sich auch aufgrund der Unterhaltung nichts geändert. Seine Reden waren ketzerisch, doch er würde dieser Versuchung nicht erliegen. Er war fest im Glauben.

In seine Fürbitte schloss er dementsprechend auch den neuen Kainiten ihrer Runde mit ein. Natürlich betete er dafür, dass die bösen Mächte, die Gewalt über ihn hatten, ihm nicht so viel Macht verliehen hatten, dass er  ihnen etwas antun konnte, während sie ruhten. Doch war er sich ziemlich sicher, dass der Herr ihn und Nathalia davor beschützen würde. Doch er betete ebenfalls für die Seele desjenigen, der seiner Ansicht nach der Versuchung zum Opfer gefallen war. Fedai hatte gewiss nicht sein Leben mit dem Wunsch begonnen, ein Werkzeug von Dämonen zu sein; und darum betete Remy auch für sein Seelenheil.

Als er spürte, wie die Müdigkeit mehr und mehr Besitz von seinem Geist ergriff, beendete er sein Gebet und gab sich der allumfassenden Ruhe hin.
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« Antworten #123 am: April 20, 2010, 23:37:26 »

Nathalia folgte den Worten, die in überlauter Tonfolge an ihr Ohr drangen. Ein leises Stöhnen entfuhr ihr, als sie die Macht ihrer gesteigerten Sinne fallen ließ. Die Stimmen waren zu laut. Es dauerte eine Weile, bis sie sich erholt hatte. Sie weiter die Höhle hinauf, bis sie der Meinung war, in der Nähe von Remy zu sein. Gelegentlich stolperte sie allerdings noch über die Tropfsteine vor sich.

Der Drang sich in die Dunkelheit zu legen wurde größer. Sie war sich sicher, dass der Mönch hier irgendwo sein musste, konnte sie fast spüren. Irgendwo hier an der nassen Höhlen Wand ließ sie sich nieder. Der Klang eines vergessenen Liedes hing ihr in den Ohren, als sie ihren Schuh nahm und die Erde darin berührte, dachte sie an einen Moment aus ihren vergangenen Leben, ließ es aber fallen und sah hinauf. Über all der Erde musste der Himmel sein mit seinen Sternen.

"Vater im Himmel...", begann sie zu beten. Das letzte Wort Sang sie leise vor sich hin. Der Schuh bekam wieder seinen Platz an ihrem Fuß. Die Dunkelheit kroch hinauf in ihren Verstand, bis sie keinen Gedanken mehr fassen konnte. Der letzte Gedanken war noch einmal an ihre Mitläufer. Es waren zwei andere Welten und sie kam aus beiden Welten. Der Schutzpatron der Jagt und der Herr hatten sie geschützt. Ihr Verstand sichte dahin, bis sie nur noch eine leblose Hülle war...

...eine Leiche in einer Höhle.
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« Antworten #124 am: April 21, 2010, 01:53:07 »

Das Vergessen legte sich an Ort und Stelle wie ein Schatten über sie. Draußen ging die Sonne auf und die Welt drehte sich weiter.
Wie ein Moment und eine Ewigkeit zugleich, verging es.


--- am selben Tag, nach Sonnenuntergang ---


So plötzlich, wie das Vergessen - denn es war kein Schlaf gewesen - sie ins Nichts geschickt hatte, so plötzlich kehrte das Leben in sie zurück.

Remy hatte seine Hände immernoch zum Gebet gefaltet. Er spührte sofort, daß sein Gewand klamm geworden war übertag. Die Tropfsteine spielten unbändig weiter ihr Lied. Nathalia hatte sich zusammengerollt und schlug die Augen ins Dunkel auf.
Immernoch... kein Licht. Sie wußte, daß sie es ganz in die Nähe der anderen geschafft haben mußte, auch wenn ihre Sinne stumpf wirkten im Gegensatz zur vergangenen Nacht. Gleichermaßen erging es Remy... ihre Köpfe schmerzten, seine Augen schwammen ein wenig, sie hatte einen dumpfen Druck auf den Ohren.

Rujanel nahm verschwommen wahr, daß er auf dem Rücken lag. Er spürte die Last des Staubes und der Asche nicht mehr, die er wie eine Bürde bei sich trug, obwohl er sich sicher war, daß sie noch da war, denn er spürte die Beutel an seinen Hüften - die Asche seinen eigenen Erzeugers, der ihn geliebt hatte wie einen Bruder. War er nicht für eine Erkenntnis hierhergekommen? Nun trug er die Asche seines bisherigen Lebens, seiner Hoffnungen mit sich herum.
Er lag nicht auf Stein oder Erde, eher fühlte er sich getragen. Er merkte, daß er vorwärts getragen wurde, als würde eine Menschenmenge ihn über ihre Hände weiterreichen.
Das ganze ging sehr langsam vonstatten, doch nicht länger, als er brauchte, es zu begreifen.
Dann fiel er. Zuerst hingen seine Beine in der Luft, bis er über die Hüfte hinaus in die Leere gehalten wurde, bis er - über seinen eigenen Schwerpunkt hinaus - vornüber kippte. Er hatte im unwissen sein Leben ausgelöscht... nein mehr noch er hatte es gegen seinen Willen Geschenkt bekommen.

Fedai erwachte in einer geschützten Haltung, um eine kleinstmögliche Angriffsfläche zu bieten. Zunächst sah er nichts, aber merkte schnell, daß er frühzeitig erwacht war, denn jemand hatte sich in seiner Nähe bewegt. Er brauchte einen Moment sich zu erinnern, daß er den Mönch kannte, und daß es ganz natürlich war, daß er sich bewegte, wenn er erwachte.

Rujanel fiel nicht tief, drehte sich jedoch halb in der Luft und landete auf dem Bauch. Knapp hatte er eine Pfütze verfehlt, in der völligen Dunkelheit hörte er sie nur neben sich, es tropfte beständig Wasser hinein.
Er wußte nicht, wo er sich befand. Den Sturz hatte er gut überstanden, es hatte ihm nicht einmal die Luft aus den Lungen getrieben. Und auch als die Lampe, die ihm den ganzen Weg lang treu gedient hatte, auf seinem Rücken landete und in die Pfütze sprang, daß das schwer riechende Wasser sein Gesicht benetzte, verspürte er eher einen Druck als einen Schmerz.
Zum Glück hatte sie nicht gebrannt.
Nun war er allein und orientierungslos.
Das einzige, was er mit Sicherheit wußte, war, daß der Eingang in Richtung bergauf lag.

« Letzte Änderung: April 21, 2010, 02:17:32 von Wuschel » Gespeichert
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« Antworten #125 am: April 21, 2010, 19:10:58 »

Nathalia erwachte früh. Sie streckte ihre toten Glieder aus. Die Dunkelheit erschreckte sie  für den Moment und sie saß schnell aufrecht. Die Erinnerungen an die letzte Nacht kehrten wieder und sie wusste mit Sicherheit wo sie war. Sie atmete tief ein und aus. Gerade fasste sie neuen Mut in der Dunkelheit...wusste, dass sie diese Nacht einen Versuch in der Dunkelheit starten musste, um diese zu durch dringen. Ihr Mentor hatte ihr den Weg gezeigt. Es war nicht ratsam, sich auf andere zu verlassen.

Irgendwo hörte sie etwas. Es musste in der Nähe sein. Ihr Kopf drehte sich. Oder hatte sie sich gerade Verhört. Wie eine Katze die die Richtung bestimmten wollte, richtete sie ihren Kopf in verschiedene Richtungen. Sie versuchte es jedenfalls. Ihr Kopf machte es ihr nicht gerade leicht, dass sie sich auf eine bestimmte Situation konzentrieren konnte. Ihr Schädel brummte wie nach einer langen Nacht nach einer Feier.

Was war es gewesen?


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« Antworten #126 am: April 21, 2010, 22:30:33 »

Als Remy die Augen aufschlug und nur Dunkelheit erkennen konnte, dauerte es nur einen kurzen Moment, bis ihm wieder einfiel, wo er war und wie er dorthin gekommen war. Die Höhle, die zwei Begleiter, ihre Suche nach Marcin. Das Geräusch der Tropfsteine war unverändert, und seine Kutte fühlte sich feucht an. Auch wenn er dazu extra Luft holen musste, seufzte Remy schwer. Normalerweise hätte er sein Gewand einfach für einige Stunden in der Sonne trocknen lassen, doch dies war ihm ja nun nicht länger möglich. Und nun, da sein Körper keinerlei Wärme mehr in sich trug, würde es nochmal länger dauern. Nein, so lange sie sich in dieser Umgebung aufhielten, war es wohl so gut wie unmöglich, ohne ein entsprechendes Feuer die Kleidung vollständig  zu trocknen.

Er hörte Bewegung in der Dunkelheit; das konnte nur Nathalia oder Fedai sein. Leise, ganz leise, sprach er ein kurzes Morgengebet in seiner Muttersprache, dann richtete er sich auf. Es war noch immer viel zu finster, um irgendetwas zu erkennen, aber die Verwendung seiner Gabe der scharfen Sinne hatte ihm gestern doch recht gute Dienste geleistet. Auch wenn dadurch wieder alles so laut würde, es war ihm lieber, als sich zu verirren und in eine Grube zu stürzen oder gegen einen Tropfstein zu laufen. Also atmete er überflüssigerweise einmal tief ein und wieder aus, um dann seinen Geist zu konzentrieren und seine Sinne zu schärfen. Sofort wurde die ganze Welt lauter, und so sehr er sich auch innerlich auf diesen Zustand vorbereitet hatte, es war im ersten Moment wie immer überwältigend.

Nachdem er sich an seine geschärften Sinne gewöhnt hatte, drehte er seinen Kopf in Richtung der Geräusche. "Der Herr sei mit euch," sagte er ins Dunkel, und er meinte damit beide. "Nathalia, wenn du soweit bist, dann sollten wir uns wieder auf die Suche nach ..." Er unterbrach sich, als ihm bewusst wurde, dass auch Fedai anwesend war, und von dem wusste er nicht, welche Ziele er tatsächlich verfolgte. Was hast du ihm schon alles verraten, Nathalia? dachte er stumm, dann nahm er seinen Satz wieder auf.

"Du weißt, von wem ich spreche. Wenn wir ihn finden wollen, sollten wir keine Zeit verschwenden. Je früher wir mit ihm zur Stadt zurückkehren, desto besser."

Dann wandte er den Kopf in Richtung der zweiten Geräuschquelle. Fedai, der Gangrel mit dem dämonischen Schein. Er hatte nun eine Idee, wie er mit diesem wilden Kainiten umgehen konnte, denn ihm waren wieder einige Dinge aus Jonathans Erzählungen ins Gedächtnis getreten.

Jonathan hatte ihm als Teil seiner Erklärungen vermittelt, dass die Kainiten es mit der Famile sehr genau nahmen. Remy hatte das Glück, einem der sechs Hohen Clans anzugehören, was ihm von vornherein ein gewisses Maß an Respekt sichern sollte. Er hätte sogar das Recht auf die niederen Clans hinab zu sehen, doch war Hochmut nicht eine Sünde?

Bisher jedenfalls hatte aber noch keines von Fedais Worten auch nur ansatzweise angedeutet, dass er einem der anderen Hohen Clans angehörte, und deren Namen kannte Remy auswendig, denn er hatte Jonathan ausgiebig darüber befragt:
Kappadozianer, sein Clan, die Hüter des Todes;
Tzimisce, die Former, bei denen er und Jonathan zu Gast waren und zu denen auch Nathalia zählte;
Brujah, die edlen Kriegerphilosophen aus Nordafrika;
Lasombra, die Magister der Schatten aus Iberia;
Toreador, die Schöngeister und Politiker, die in seiner französichen Heimat ihre Höfe hatten;
und Ventrue, die Kriegsherren, deren Herrschaftsgebiet die deutschen Lande umfasste.

Also waren Nathalia und er schon von Bluts wegen höher gestellt; eine Tatsache, die Remy schon die ganze Zeit unterschwellig gespürt hatte. Nun war er sich dessen sogar sicher. Wenn also hier jemand jemandem Respekt schuldete, dann der Neuankömmling ihm und Nathalia, nicht umgekehrt. Allerdings würde er ihm das nicht unter die Nase reiben, so nachtragend war er dann doch nicht. Außerdem verbot ihm seine christliche Tugend diese Art der Häme. Vielleicht wusste der Gangrel noch nicht einmal um seinen Platz in der Ordnung? Er schien ja auch so seine Probleme damit zu haben, seine Stellung in Gottes Welt zu akzeptieren. Aber solche Dinge konnte man schließlich erlernen, und Fedai würde es früher oder später begreifen müssen.

Also blieb Remys Stimme sachlich und kühl, als er dem besessenen Gangrel einen Handel unterbreitete, und es schlich sich nur eine ganz winzige Spur Stolz in Form einer leicht herrischen Formulierung hinein. Hoffentlich war dieser Wilde klug genug, auch darauf einzugehen.

"Heda, Fedai, seid Ihr erwacht? Da Ihr Euch im Dunkeln so gut zurecht findet, habe ich ein Angebot für Euch. Helft uns, unsere Mission für den Fürsten Krak zu erfüllen, und wir werden Euch anschließend zu ihm geleiten. Ist das für Euch ein annehmbarer Handel?"

Gespannt wartete er auf die Antwort und lauschte ins Dunkel hinein.


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« Antworten #127 am: April 23, 2010, 12:19:46 »

Fedai blieb Remy eine Antwort schuldig.

Ein Geräusch unterbrach ihn. Es durchzuckte die Stille, leise, fast unhörbar: Ein dumpfer Aufprall und dann ein Platschen, das nicht von einem Tropfen verurscht worden sein konnte. Wie weit es entfernt war, konnten sie kaum erahnen, die Verzerrung durch die Höhlenwände irritierte ihre Sinne.

Sie hörten, wie sich Fedai leise in der Dunkelheit aufrichtete, nachdem er kurz angespannt verharrt hatte.
Remy konnte nicht umhin zu bemerken, wie geschickt und lautlos er sich zwischen den Tropfsteinen, hinter denen sie übertagt hatten, hindurchwandt und weiter in die Höhle hinein verschwand.
« Letzte Änderung: April 26, 2010, 22:48:16 von Wuschel » Gespeichert
Aphiel
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« Antworten #128 am: April 23, 2010, 13:08:48 »

"Schnell, Nathalia, ihm nach" drängte Remy und schickte sich an, den Schrittgeräuschen des sich entfernenden Fedai zu folgen.

Er konnte sich dabei lediglich auf sein Gehör verlassen, aber mit Hilfe der verstärkten Sinne gelang ihm das recht gut. Allerdings bewegte sich der Gangrel schneller als gestern, und so musste auch Remy sich beeilen. Dafür nahm er in Kauf, dass er sich versehentlich an dem ein oder anderen Tropfstein stieß. Mit ausgestreckten Armen und nur dem Gehör folgend, versuchte er Schritt zu halten.

Wenn ich doch wenigstens meine Kerze entzünden könnte dachte er und wünschte sich abermals insgeheim eine Öllampe, die auf Wunsch jederzeit brennen konnte. Doch das war wohl nur in Märchen möglich.
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« Antworten #129 am: April 23, 2010, 19:55:54 »

Nathalia stand auf. Sie vernahm Remys Stimme in der Dunkelheit, wie er etwas über den Vampire sagte, Marcin. Sie traute ihren Ohren nicht. War die Eile berechtigt?

"Und mit euch", murmelte Nathalia erst einmal, bevor sie sich die Augen rieb und zu einer Antwort ansetzte. "Habt Geduld, Bruder. Es gibt keinen Grund, dass wir unüberlegt handeln. Es sei denn, ihr verspürt den Drang irgendwo abzustürzen, und euer Gemach zu verlieren."

Meinte die junge Kainitin und tastete sich vor in der Dunkelheit, bis sie stehen blieb. Sie wollte nicht länger blind sein. Das Geräusch bestätigte nur ihr Verlangen. Die Sinne eines anderen, der sie in der Dunkelheit nicht führen wollte, waren ihr zu wider. Wie in der vorherige Nacht beschlossen, konzentrierte sich Nathalia auf ihre Fähigkeiten. Wie hatte sie es zuvor geschafft?

Der Stein der Höhle zu ihren Füßen.
Die Tropfen des Wassers.
Die Stimme von Remy.
Das Klatschen des Wassers.

Ihre Sinne waren konzentrierte sich mehr und mehr, um in eine Trance zu tauchen. Das Gefühl, dass sie damals fast überwältigt hatte. Die Stimme ihres Geister Mentors, der sie geleitet hatte, drang an ihr inneres Ohr. Sie wandte sich mit ihrer Stimme an Remy. Ein fordernder Unterton lag in ihrer Stimme.

"Wartet, Bruder...vielleicht kann ich anders helfen!"

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« Antworten #130 am: April 25, 2010, 21:14:18 »

Er brauchte einen Moment, um sich zu orientieren. Die Dunkelheit war für ihn undurchdringlich, die Lampe erloschen. Vorsichtig erhob er sich auf die Knie und überprüfte mit seinen Händen den Untergrund und die nähere Umgebung. Im Moment schien ihm keine Gefahr zu drohen, auch wenn er nicht wusste, wo er sich genau befand und wie er letztendlich hierhergekommen war.

Mit wenigen, zielsicheren Griffen überprüfte er seine körperliche Unversehrtheit und die Vollständigkeit seiner Habseligkeiten. Es schien alles in Ordnung zu sein.

Auch der längere Aufenthalt an diesem Ort änderte nichts an dem undurchdringlichen Dunkel. Auch wenn er jetzt ein Geschöpf der Nacht war, so war er den Gefahren der Nacht ausgeliefert, da er nicht das Geringste mit seinen Augen wahrnehmen konnte. Doch lag es in der Natur der Dinge, das nicht nutzbare Sinne von den anderen Sinnen kompensiert wurden. Er lauschte in die Dunkelheit.


Langsam stand er auf. Vorsichtig streckte er die Arme aus und fühlte in die Dunkelheit. Bedächtig setzte er einen Fuß vor den anderen. Er wollte den Ausgang aus diesem Höhlen-Labyrinth finden, so war es das sinnvollste, sich in die Richtung zu orientieren, die ihn bergauf führte.

Was auch immer er am Vorabend gehört hatte, er konnte nicht ausschließen, dass der Eindringling sich immer noch in der Höhle befand. Er war im Zwiespalt. Zum einen war es wichtig, das Seil so schnell wie möglich zu erreichen. Zum anderen sollte er so lautlos wie möglich vorgehen, um nicht unnötig auf sich aufmerksam zu machen. Letztendlich war es ihm jedoch ohne eine Lichtquelle unmöglich sich schnell und lautlos zu bewegen, weshalb er sich dafür entschied, eher darauf zu achten nicht entdeckt zu werden.
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« Antworten #131 am: Mai 01, 2010, 21:16:06 »

Fedai sah niemanden, doch war er sich sicher, daß es nur einen Weg geben konnte: Weiter in die Tiefe der Höhle bald verengte sie sich zu einem Gang,  den er kaum einsehen konnte, denn er hatte noch einige Tropfsteine zu umgehen.

Remy verlor Fedai schnell, heute gelang es ihm nicht, seine leisen Schritte zwischen dem Tropfen herauszuhören. Es dröhnte in seinen Ohren. Ein Pfeifen, wie er es kannte, wenn er beim Glockenläuten geholfen hatte, legte sich zwischen die vielen Geräusche, die ihn nun verwirrten.


Rujanel war nichts passiert, selbst die kleinen Steine, auf die er gefallen war, hatten ihm nicht mal einen blauen Fleck beschert. Er tastete sich langsam vorwärts. Bald stieß er auf einen Stalgtiten, den er umrunden mußte.
Er hörte ihn deutlich in seiner Nähe tropfen. Die disharmonische Reihenfolge des Echos verwirrte ihn. Den Geräuschen zufolge war es, als spränge es wild hin und her, entfernte sich und kam aus einer ganz anderen Richtung wieder zurück.

Nathalias Geist weitete sich, und sah...Dinge...
Kein kleines Getier lenkte sie hier ab. Sie sah ganz deutlich jeden einzelnen Tropfstein als schwarze Säule ohne Struktur. Ganz nah, ein dunkles aber aufgewecktes Leuchten, weiter vorn ein wildes Flackern, noch weiter vorn, ein zerbrochenes Schemen, in seiner Nähe ein langgezogenes, totes Wabern, welches sie nur hätte in seiner Gänze sehen können, wenn sie nur weiter hätte sehen können.
« Letzte Änderung: Mai 02, 2010, 17:06:43 von Wuschel » Gespeichert
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« Antworten #132 am: Mai 02, 2010, 01:24:09 »

Das Pfeifen in seinem Kopf war zu stark, als dass er es lange ertragen konnte, und Fedai war fort. Stattdessen donnerte Nathalias Stimme durch den Raum. Es war alles so laut, viel zu laut.

Remy blieb stehen und liess seine Sinnesverstärkung fallen. Er presste sogar die Hände gegen die Ohren, in der Hoffnung, dass dieses Pfeifen endlich nachliess. Er musste es sich nun eingestehen, so sehr es ihm auch missfiel: er war ohne Hilfe und ohne Licht in diesem unterirdischen Irrgarten verloren.

"Nathalia, wo bist du?" flüsterte er ins Dunkel, doch erst Sekunden später kam die Erkenntnis, dass er ihre Antwort nicht hören würde, so lange er seine Ohren bedeckte. Also liess er die Arme sinken, auf Antwort wartend.
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« Antworten #133 am: Mai 02, 2010, 11:18:02 »

Es dauerte seine Zeit, bis er in der Dunkelheit die Richtung feststellen konnte, die ihn seiner Meinung nach zum Ausgang der Höhle führen würde. Aber nachdem er ein paar Schritte in jede Richtung gegangen war, ließ sich die Zielrichtung zumindest ungefähr feststellen.

Langsam und mit der unter diesen Verhältnissen möglichen Vorsicht bewegte er sich vorwärts. Bald erreichte er einen Stalagmiten von mächtigem Umfang. Als seine Hände den in die Höhe wachsenden Fels berührten, zuckte er kurz zurück. Die Oberfläche der Steinsäule war feucht und kalt - selbst für ihn, dessen Körpertemperatur weit unter der eines lebendigen Menschen lag. Auf Armeslänge umrundete er den Stalagmiten, wobei er sehr darauf achtete, die eingeschlagene Marschrichtung beizubehalten.

Die Säule im Rücken wissend verharrte er für mehrere Augenblicke, um sich erneut zu orientieren und zu vergewissern, ob er noch auf dem richtigen Weg war. Die Symphonie der fallenden Tropfen in der Höhle folgte keinem erkennbaren Rhythmus. Auf Anhieb war es ihm unmöglich, darin irgendeine Regelmäßigkeit zu erkennen. Er schloss die Augen und forschte in seiner Erinnerung an den Abstieg, ob sich davon irgendetwas mit den aktuellen Eindrücken in Einklang bringen ließ. Die stete Unregelmäßigkeit der tropfenden Geräusche machte es schwer, sich zu konzentrieren. Dennoch tauchte in seiner Erinnerung das Bild eines einzeln stehenden, äußerst mächtigen Stalagmiten auf. Nur ob er mit dem, den er gerade umgehen musste, identisch war, das konnte er weder mit Sicherheit sagen, noch auf eine andere Art und Weise feststellen.

Er forschte weiter in seinem Gedächtnis, welches die Fähigkeit hatte sich die kleinsten Nebensächlichkeiten einzuprägen und nicht mehr zu vergessen, was mit der Erinnerung an den einzelnen Stalagmiten einherging. Tropfende Geräusche kamen ihm in den Sinn. Doch war es nicht das Zusammenspiel der vielen Tropfen, sondern das Geräusch der einzelnen Tropfen, die aus verschiedenen Höhen fielen und dabei entweder auf Sand, auf Geröll, auf Gestein oder in kleinen Pfützen landeten. Der Schlüssel der Erkenntnis lag für also nicht im Zusammenspiel der Geräusche, sondern in den einzelnen Geräuschen selbst.

Tatsächlich schaffte er es, sich an Geräusche zu erinnern, die sich aus der Vielzahl abhoben. Die Tropfen, die in nicht auf einen festen Untergrund fielen verursachten beim Eintauchen ein glucksendes Geräusch. Hinzu kam die Höhe, aus der diese Tropfen fielen. Der Rhythmus mochte unregelmäßig sein, doch die Fallhöhe und der Untergrund waren unveränderlich und erzeugten auf diese Weise einen einzigartigen Klang.

Nachdem ihm klar geworden war, woran er sich orientieren musste, viel es ihm leicht, sich auf einen bestimmten Tropfen zu konzentrieren. Tatsächlich formte sich in seiner Erinnerung ein Bild, das mit seiner jetzigen Position grob übereinstimmte. Nun war er sich sicher, auf dem richtigen Weg zu sein und bis zum Seil waren es auch nur noch wenige hundert Schritte. Seine Zuversicht, den Ausgang zu finden wuchs und dennoch gemahnte er sich selbst zur Vorsicht. Er hatte den Eindringling nicht vergessen.

Langsam ging er Schritt für Schritt seinen Weg. Bedächtig setzte er einen Fuß vor den anderen und glich die Geräuschkulisse mit seinen Erinnerungen ab. Leise näherte er sich dem Seil, dass den Ausweg aus der Höhle markierte.
« Letzte Änderung: Mai 02, 2010, 21:30:09 von Vomo » Gespeichert

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« Antworten #134 am: Mai 02, 2010, 20:56:31 »

Nathalia musste sich stark konzentrieren, um von den Sinneseinflüssen nicht überwältigt zu werden. Es fiel ihr hier deutlich einfacher, den Weg zu sehen ohne kleine Schemen in ihrem Einflussbereich zu sehen. Nathalia hielt kurz inne, bevor sie sich an ihren neuen Zustand gewöhnt hatte. Es kam ihr stärker vor als bei ihren scharfen Sinnen, denn hier wirkte alles viel schärfer. Sie konnte die Nässe förmlich riechen und den Boden bzw. Stein spüren unter ihren Sohlen mit seiner ganzen Beschaffenheit. Die Luft musste einen Hauch von Feuchtigkeit in Mineralien in sich tragen. Nathalia zog die Luft bewusst scharf ein und entließ sie mit einem Seufzer.

Sie konzentrierte sich auf ihren Seheindruck. Langsam erkannte sie aus den Eindrücken all ihrer Sinne ungewisse Schemen, die sie einzuordnen versuchte. Es war merkwürdig. Sie sah diese Formen in keinem Zorn sondern im klaren Bewusstsein nur in einem erweiterten Spektrum. Die Konzentration stieg. So lauschte sie auch in ihre Umgebung und versuchte die Eindrücke in ihrem Sichtfeld zu verstehen. Als erstes musste sie sich an Remy wenden. Sie erhob ihre Stimme.

"Bruder, kommt auf mich zu, ich muss meine neuen Sinne testen. Es ist unglaublich. Ich muss unseren Weg finden. Folgt meiner Stimme."

Sie dachte einen Moment über Remy nach und erhoffte sich aus dem "gesehenen" einen Reim zu machen. Remy wirkte nicht wild und weder gespalten noch tot und unklar. Remy war ein Geist, der logisch an alle Sachen heran ging. Er war immer auf sein Ziel fixiert. Mönche waren in ihrem Verständnis hochgebildet. Handelte es sich bei den neuen Eindrücken um Widerspiegelungen ihres Selbst? Nathalia war in Gedanken versunken und versuchte zu entziffern, was sie hier wirklich sah. Es waren merkwürdige Randerscheinungen zu sehen. Wie passte das alles zusammen?

Ihre Stimme war leise, dass es kaum ein Echo gab. Sie war sanft und nicht mehr fordernd. Sie erklärte in wenigen Worten den Weg von dem Schemen, den sie für Remy hielt in wenigen Worten. Sie beschrieb die wenigen Hindernisse, die sie wahrnahm in ihrem Spektrum. Sie wusste, dass der Mönch damit etwas anfangen konnte. Bisher hatte sie ihn so erlebt, dass er alles aufnehmen konnte. Hoffentlich kam er zu ihr, damit er sie führen konnte. Sie musste sich nur den Weg gut genug einprägen.

Immer und immer wieder wiederholte sie ihre Annahme, damit Remy zu ihr finden konnte. Gleichzeitig drückte der Unterton in ihrer Stimme Freude aus. Sie konnte mehr und mehr lernen, wenn sie ihre Fähigkeiten verstehen konnte. Es war nur düster. Das dunkle mussten Hindernisse sein und als Solche gab sie diese auch einfach wieder. Vielleicht schaffte er es ja!

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