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Autor Thema: [Intime] In der Höhle des Opferlamms  (Gelesen 117950 mal)
Beschreibung: Teil Eins - Kapitel II
Aphiel
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Stier


« Antworten #90 am: Februar 25, 2010, 12:12:34 »

Das Seufzen, das sich Remys Kehle entrang, war echt, auch wenn er für diesen Laut extra hate Luft holen müssen.

Wie widersprüchlich doch diese Nathalia war. Einerseits wollte sie ihm unsittliche Einblicke ersparen, doch im selben Moment erklärte sie ihm überflüssigerweise, dass er ja kein richtiger Mensch mehr war. Als ob er das nicht selbst wüsste, doch war dies nur der Anfang des Widerspruchs. Vielleicht hätte sie sich ihre Worte noch einmal überlegt, wenn sie gewusst hätte, dass ein mögliches Interesse seinerseits an einem weiblichen Körper allenfalls anatomischer Neugier entspringen würde, jetzt als Kainit noch mehr als schon zu Lebzeiten. Seit seiner Ordinierung war ihm dieser Teil des Lebens verschlossen, und er war sich dessen bewusst. Ihre Sorge war daher völlig unbegründet, da er ja vor allem kein richtiger Mensch mehr war, wie sie richtig erkannt hatte. Welcher letzte menschliche Rest von Mann in seinem Inneren ihn dazu hätte bringen können, eine Frau nach der Ordnung der Natur zu begehren, er war gestorben, als Remy hinüberging in die ewige Nacht. Kainiten zeugten ihre Nachkommen nicht so, wie die Menschen es taten, daher war es sinnlos über solche Dinge nachzudenken.

Dies war dann wohl eher eine Frage, ob sie sich ihres eigenen Anblickes schämte. Seine Moral stand nun über solchen Bedenken, wie sie sie äußerte, und seine eigene Leidenschaft galt nun anderen Dingen.

Im Vordergrund stand aber nun die Sorge, baldmöglichst an einen Ort zum Übertagen zu gelangen. Und wenn dies bedeutete, dass er den Abstieg wagen musste, dann war es eben so. Alles war besser, als ungeschützt dem Sonnenaufgang beizuwohnen, da würde er sogar einen gebrochenen Knochen in Kauf nehmen.

"Nun gut, geht voran, ich werde eure Schritte sorgfältig beobachten und euch dann folg..."

Remy unterbrach sich, als er glaubte, etwas wahrzunehmen. War das der Esel gewesen? "Still!" flüsterte er, sich nicht darüber bewusst, dass er mit diesem Wort genau die gewünschte Stille wieder zerbrach. Seine geschärften Sinne griffen in die Umgebung hinaus.
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Remy le Duc (Vampir)
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« Antworten #91 am: Februar 25, 2010, 14:22:06 »

Remy sah ein  rotes Leuchten zwischen den Bäumen.
Zuerst musste er denken, er hatte sich geirrt, denn nichts, was er kannte, außer vielleicht aus seinen Alpträumen, konnte ein solches Licht entstehen lassen.
Kurz darauf trat ein Mann auf die Lichtung.
Einfach Mitten aus dem Unterholz kam er, keinem Weg war er gefolgt.
Sein Anblick war einschüchternd. Er hatte etwas urtümliches, wildes, hungriges. Er war vielleicht Ende 40, zumindest deuteten die graumelierten Haare selbiges an. Dennoch wirkte er nicht wirklich alt, sondern in erster Linie erfahren. Er war größer als die meisten Männer dieser Zeit, selbst in dieser Region. Sein Gang schien geübt und durchtrainiert. Er war in eine Lederrüstung gehüllt, die Arme waren allerdings frei und das schwarze Leinenhemd darunter mit straff gebundenen Lederbändern am Körper gehalten.
Das wirklich Einschüchternde an ihm war aber das Gesicht das, ohnehin nicht das Schönste, von einer tiefen Narbe, welche quer durch sein linkes Auge ging, verunstaltet wurde. Das er ganz sicher nicht normal war erkannte man auch recht eindeutig daran, dass das ihm verbleibende Auge glutrot in die Nacht leuchtete und ihm etwas dämonisches verlieh.
Er bedachte sie nur mit einem kurzen Blick, näherte sich aber dem Esel, ohne zu zögern.
Das Tier schrie vor Angst, bewegte sich jedoch kein Stück von der Stelle.

In Remy meldete sich etwas. Dieses rote Leuchten bedeutete ihn genauer hin zu sehen, und aus einem ihm unbekannten Grund geschah etwas mit der Erscheinung des fremden Mannes. Als sei er in eine Art Nebel gehüllt - blasser, aber doch farbiger Nebel...
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Aphiel
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« Antworten #92 am: Februar 25, 2010, 15:58:16 »

"Wer ist das? Könnte es sich um Marcins menschlichen Begleiter handeln? Er scheint zum Esel zu wollen."

Remy fragte Nathalia leise, während er den anderen unbeirrt im Blick behielt. Etwas an ihm wirkte ganz und gar nicht menschlich, oder spielten ihm da etwa seine Sinne einen Streich? Leuchtete etwa sein Auge rot? Und warum drehte der Esel nun plötzlich durch?

'Ist das etwa ... ein Abgesandter der Hölle?!' durchzuckte es Remy, und in ihm kämpfte etwas darum, die Fassung zu bewahren. Er war selbst kein Mensch mehr, er hatte selbst einen Pakt mit der Dunkelheit geschlossen; doch er war immer noch ein Kind des Glaubens. Wenn überhaupt, dann war er in dieser Form doch besser geeignet, dem Bösen entgegenzutreten.

Sein Verdacht, dass der Neuankömmling kein Mensch war, verhärtete sich immer mehr. Remy glaubte die Aura des Bösen förmlich sehen zu können, als er den anderen so intensiv anstarrte.

Schnell rief er sich Jonathans Einweisung über die Macht seines Geistes ins Gedächtnis. Er war stärker und widerstandsfähiger als jeder zerbrechliche Mensch, so hatte Jonathan es ihn gelehrt. Es war also nur angemessen, dass sein Herz standhaft blieb, und er weiterhin auf den Allmächtigen vertraute. Er musste dem Satan und seinen Versuchungen und Verlockungen widerstehen, und er musste seinen Dienern furchtlos entgegentreten. Wenn er wirklich die göttliche Vergebung erlangen wollte, den Weg der Gnade von dem Jonathan als Golconda gesprochen hatte, dann hatte er gar keine andere Wahl.

"Halt, wer geht da? Ich sehe Euch wohl!" sprach er deutlich und hörbar den Fremden an. Dann, mit etwas mehr Autorität in der Stimme fügte er hinzu: "Bleibt dort stehen, wo Ihr seid und nennt Euren Namen und Euer Begehr!"

Er klang mutiger, als er es sich selbst jemals zugetraut hätte, und er hoffte sehr, dass der andere seinen Worten folgen würde. Wenn nicht, dann... Er wusste selbst noch nicht, was er dann tun würde. Hoffentlich war das kein Fehler gewesen.

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« Antworten #93 am: Februar 25, 2010, 19:30:31 »

"Ich glaube kaum, dass es sich dabei um dessen Begleiter handelt... ", flüsterte Nathalia leise zurück. Sie war gerade an der Kante angekommen und wäre vor Schreck fast abgerutscht. Sie hielt sich eisern am Seil fest und suchte sich festen halt. Sie hatte den Mund vor Schreck und Staunen aufgerissen. Sie sah automatisch zum Himmel und murmelte stumme Worte. Herr, was hast du mir geschickt? Habe ich dich mit meinen Taten erzürnt?!, sprach sie zum Himmel. Schnell jedoch versuchte sie die Situation nüchtern zusehen.

"Was ist das, Bruder? Ein Höllenhund?", fragte sie ihren bibelfesten Freund. Noch stammelte sie ein paar Worte vor sich hin. Sie prägte sich das Bild des Mannes ein. Es brannte sich in ihr Gedächtnis. Es erinnerte sie an einen Wolf oder Bären...nein eher an die Nacht, die sie im Wald verbracht hatte. An andere Nächte, wo es still im Wald wurde...wenn ein anderer Jäger unterwegs war. "Ist das ein Werwolf?", vermutete sie und dachte weiter nach.

Nathalia blendete Remy aus. Sie dachte nur an ihren eigenen Schutz. Die Worte des Mönches konnte sie nur noch am Rande hören, da sie sich an Worte erinnern, die älter waren als jeder Vampire. In der Nacht, als der Tod ihrer Erzeugerin eintrat, waren sie gekommen und bildeten sich auf ihren Lippen. Der Esel...sie hatte ihm versprochen, dass ihm nichts geschehen sollte. Die Schreie des Tieres drangen an ihr Ohr.

Die kalte kühle Erde stieg in ihr auf, sie Fühle fast wieder jeden... . Ihre haut warf Farbflecken...die Worte wurden tiefer...und sie brach mit ihrem Sing Sang einfach ab. Die Worte verstummten, denn sie sah wieder klar. Der Mann hatte sie nicht angegriffen. Sie konnte also noch warten. Dennoch hielt sie die Worte in ihrem Geist... .

"Abwarten...ich bin bereit... ", sagte sie, wandte sich zum Esel, "Es tut mir Leid... !" Sie rannte auf den Esel zu, hielt Abstand zu ihm und sah den Fremden an. "Ich habe versprochen, dass ihm nichts passiert... !" Schrie sie den fremden Mann an, gepackt von Schuldgefühlen...die Angst überspielend stand sie vor dem Esel. "Lass ihm am Leben!"
« Letzte Änderung: Februar 25, 2010, 19:44:01 von Alukard » Gespeichert

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« Antworten #94 am: Februar 25, 2010, 20:22:53 »

Für Remy nahm der Fremde auf einmal seltsame Farben an. Sie waren grundsätzlich blass, was es schwer in der Dunkelheit machte, sie zu erkennen. Ihn umspielte ein dunkles Rot, das ein tiefes Schwarz überdeckte.
Es umleuchtete ihn wie ein Schein. Das alles ergab keinen Sinn für ihn, denn sobald er seinen Blick abwenden würde, erschien Nathalia ganz mormal, und auch der irritierende Eindruck von dem Fremden verschwand nach einem Moment.

Nathalia hingegen fühlte sich... fremdgesteuert. Ihr Tier, das gerade in Wallung geraten war, sich selbst und den Esel zu verteidigen beruhigte sich etwas, ohne ihr zutun, als hätte man ihm Baldrian eingeflößt.
"Mädchen, Mädchen... erkennst du keinen Jäger wenn du ihn siehst?" raunte es in ihrem Kopf. "Du bist unterlegen. benutze deinen Kopf!"

Fedai hörte das angstvolle Schnauben des Esels zwischen den Worten der beiden anderen. Er wusste, daß sie nicht wegliefen wie Pferde, sondern erstarrten angesichts der Furcht.Eine Beute, die dem Tod ins Auge sah...
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« Antworten #95 am: Februar 25, 2010, 20:54:08 »

Sein Blick wanderte zu den beiden Gestalten, die sich offensichtlich um das Tier kümmerten. Er knurrte nur, bleckte die Fänge und fauchte in die Richtung der beiden. Alles an ihm ging in Kampfposition, der Gangrel ging in die Hocke und seine Füße gruben sich in den Boden. Hunger stieg in seinem Geist auf und das Tier zeigte ihm schon "Visionen" davon was es wollte. Blut, seine Klauen in den warmen Körper schlagen und das heiße Blut in seiner Kehle spüren und er musste zugeben, dass ihm gefiel was er sah. Aber zuvor richtete er seine Aufmerksamkeit noch auf die anderen beiden.

"Kommt nicht zwischen den Gangrel und seine Beute ... es sei denn ihr wollt ihren Platz einnehmen."

Und er machte da offensichtlich keinen Witz. Die Stimme war hart und tierisch. Die Fänge zeigten deutlich, dass sie wohl eine Rasse teilten. Aber das juckte Fedai schon nicht mehr, er wollte seine Beute und die stand zitternd vor ihm. Beudauerlich, dass die Jagd zu kurz ausfallen würde, aber er gab keine Beute auf wenn er Hunger hatte.
In ihm übernahm der Instinkt seine Handlung als er sich auf den Esel stürzte, Klauen die sich in dessen Seiten graben würden um die Beute festzuhalten und Fänge, welche die Kehle des Tiers zerfetzen würden um an den Lebensnektar zu kommen den er begehrte.
Dennoch würde eines deutlich werden. Er quälte das Tier nicht unnötig. Er jagte und tötete ja, aber er war nicht grausamer als jeder andere Jäger es auch gewesen wäre und Fedai war der größte Jäger in der Umgebung.
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« Antworten #96 am: Februar 25, 2010, 21:38:35 »

Nathalia wandte den Kopf nicht ab, als die Stimme in ihrem Kopf raunte. Sie machte einige Sätze zurück und ließ es geschehen. Sie wusste nur zu gut, was es hieß ein Jäger zu sein. Gegen jeden Sinn hatte sie gehandelt. Die Aura...sie hatte sie gespürt. Ich hätte einfach warten sollen...ich hätte mich nicht dazwischen werfen sollen. Ich wollte doch nur dem Mönch zittern lassen und nun das hier. Ein Jäger... . wie in der Nacht... . Nathalia versank in ihren Gedanken.

Sie widmete ihrer Aufmerksamkeit dem Jäger und fasst jeder seiner Schritte ins Auge. Sie spürte den Hunger, den er haben musste. Er fraß wie ein Tier. Sie kannte es selbst...die Not machte aus dem Menschen ein Tier und er tat alles, damit er überleben konnte. Sie horchte in sich hinein und wusste, ohne auf das Knurren des Tieres zu warten, dass sie recht hatte. Überleben in der Wildnis! 'Ich habe auch so gelebt...ich weiß es. Also sollte ich es nicht verabscheuen...trotz meines Versprechens. Ich weiß, dass er recht tut.'

"Sie es dir an Mönch...das ist ein wahrer Jäger", raunte Nathalia dem Mönch zu, "wenn man überleben will...handelt man genau so...keine Qual...nur die Beute im Auge." Missmut klang in ihrer Stimme mit, denn sie war es, die gepatzt hatte...und ihre Stimme im Kopf hatte mal wieder recht.
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« Antworten #97 am: Februar 26, 2010, 15:56:26 »

Als sich die roten und schwarzen Farben vor Remys Augen abzeichneten, wuchs sein Misstrauen nur noch mehr. Dies musste in der Tat ein Besessener sein, anders konnte er sich seine Erscheinung nicht erklären. Und in der Tat lies sein Verhalten keinen Zweifel daran, dass ihn ein finsteres Bedürfnis antrieb. Doch offenbar war er nicht ihnen feindlich gesonnen, zumindest noch nicht. Er ging geradewegs auf den Esel zu, seine Beute, wie er es nannte. Die Tatsache, dass er auf seine Aufforderung nicht reagiert hatte, störte Remy in diesem Moment recht wenig.

Er erkannte dann recht schnell, dass der Fremde auch ein Kainit war; zu deutlich war es ihm anzusehen. Sofort formte sich eine neue Theorie in seinem Kopf, betreffend der Möglichkeit, dass ein Kainit vom Teufel besessen sein könnte. Er würde dies prüfen müssen, und dazu würde er den Fremden genau im Blick behalten. Irgend eine Bedeutung mussten die seltsamen Farben ja haben. Vielleicht passierte das ja immer, wenn der Satan Besitz von einem bereits mit Kains Fluch belegten Wesen ergriff? Sollte sich diese Vermutung bewahrheiten und der Fremde ihnen gegenüber feindselig werden, dann würde er handeln müssen. Bis es soweit war, hatte er noch Zeit zum Nachdenken, wie er das anstellen würde.

Nathalias Reaktion überraschte ihn sehr. Wieso schlug sie sich so plötzlich auf die Seite des Neuankömmlings? Sie kannte ihn doch gar nicht. Oder sprach da etwa Bewunderung aus ihr? Und warum wollte sie, dass er dem anderen beim Fressen zusah? Abgesehen davon, dass der Neue seinen eigenen Plan, vom Esel zu trinken, hiermit zunichte machte, so zeigte er weder Maß noch Gnade. Aus seinen Handlungen sprach in Remys Augen nur die reine Gier.

"Ich habe schon gesehen, wie Tiere fressen," entgegnete er daher Nathalia mit einem nicht zu überhörenden Unterton in der Stimme, der sich aber nur schwer deuten lies. Es mochte Abscheu sein, vielleicht auch Arroganz, oder aber so etwas wie gekränkter Stolz oder verletzte Würde. "Maßlos und ohne Rücksicht. Dieser ... wie nannte er sich eben noch? 'Gangrel'? Dieser Gangrel ist mehr Tier als Mensch. Ich weiß nicht, was daran sehenswert sein sollte."

In seinem Kopf setzte Remy das Wort auf die Liste der Dinge, die er nachzuforschen gedachte. Gut möglich, dass es der Name dieser Person war. Vielleicht war es aber auch ein Titel? Oder die Bezeichnung für einen vom Satan besessenen Kainiten? Er würde es herausfinden, mit den richtigen Quellen und etwas Zeit.

In der Tat war Remy eigentlich ziemlich sauer auf den Fremden. Sie hätten alle drei von dem Esel trinken können, und das auch ohne ihn zu töten. Wer konnte schon sagen, wie lange sie noch in dieser Wildnis blieben? Die einzige zuverlässige Quelle von Blut umzubringen war in seinen Augen eine Handlung ohne Weitsicht, und das missfiel ihm sehr. Dennoch bemühte er sich, seine Stimmung im Zaum zu halten und sich nicht etwa einer so sündhaften Neigung wie dem Neid hinzugeben. Einige spitze Worte konnte er dennoch nicht unterdrücken.

"Ich dachte immer, die Jagd wäre eine Herausforderung, etwas ehrenvolles" fügte er an Nathalia gewandt hinzu, aber gerade laut genug, dass auch der Neue es hören konnte, wenn er nicht gerade zu laut schmatzte. "Was ist ehrbar an einem Jäger, der nur wehrlose Beute verfolgt? Wo ist da die Herausforderung, wo kann er so sein Können mit den Geschöpfen der Natur messen?"

Er wandte sich kurz um und sah zurück zum Höhleneinstieg. Dann drehte er sich wieder zu Nathalia. "Bleib und sieh ihm weiter zu, wenn du willst. Ich für meinen Teil werde zusehen, dass ich in die Höhle komme, bevor die Sonne aufgeht."

'Notfalls auch ohne deine Hilfe,' schob er in Gedanken nach. 'Und erst recht ohne den besessenen Blutsauger dort.'
Damit bewegte sich Remy zurück zum Einstieg und nahm das Seil, um daran zu ziehen und seinen sicheren Halt zu prüfen. Und wie immer arbeitete sein Kopf dabei, machte sich Gedanken über alle möglichen Dinge, zum Beispiel, wie man einen besessenen Vampir aufhalten konnte, oder was es mit den Farben auf sich hatte, oder woher er den Mut nahm, sich an einer so schwierigen Aufgabe wie dem Klettern in Sandalen zu versuchen.
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« Antworten #98 am: Februar 26, 2010, 18:50:09 »

Kurz schrie der Esel auf, wollte doch nur fliehen, aber es war schon zu spät. Das Gewicht Fedais riss das Tier mit sich und als seine Fänge sich in den Hals des Huftiers gruben wurde es gefangen im Gefühl des Kusses, nur noch Gleidmaßen die zuckten.

Das Tier in ihm war begeistert als es endlich wieder frisches Blut die Kehle herunter rann. Dafür lebte es und die Jagd erfüllte den Gangrel mit einem Hochgefühl. Er hatte fast zwei Nächte bei seinem ewigen Dauerlauf auf die Stadt nicht getrunken gehabt und so stoppte der Gangrel auch nicht ehe das Tier seine letzten Atemzüge machte und aufgrund des Blutverlustes und der Verletzungen durch die Klauen verstarb.
Als er gesättigt war erhob Fedai sich wieder. Blut war sein Kinn hinab gelaufen und er wischte es mit dem Handrücken ab, was aber nichts an seinem unheimlichen Anblick verschönerte.
Kurz blieb er beim Tier in der Hocke sitzen, legte den Kopf schief und überlegte ob er das Fell vielleicht noch brauchen konnte, entschied sich dann aber dagegen. Er erhob sich und ließ den Kadaver für die Aasfresser zurück.

Sein nächster Augenmerk lag auf den beiden anderen Kainiten. Nicht weniger wild, aber deutlich weniger aggressiv wirkte er. Er hatte getrunken und war für den Moment gesättigt und er nahm nicht mehr als er brauchte.

Sein Kopf ruckte zu Natalia, dann legte er sich schief. Ein wenig vogelhaft wirkte er schon.

"Wer seid Ihr?"
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« Antworten #99 am: Februar 26, 2010, 19:42:10 »

Während Nathalia zu sah, wie der Gangrel "fraß", musste sie an ihr eigenes erstes Mahl denken, dass sie zu sich genommen hatte. Ein Wolf hatte es ihr gebracht und voller Respekt niedergelegt vor ihren Füßen. Irgendwie fühlte sie dieses komische, undefinierbare Gefühl in sich. Ein Kribbeln stieg von den Zehen auf, doch sie ließ sich davon nicht beeinflussen. Ihre Augen blieben auf dem Fressakt. Ohne jede ersichtliche Reaktion sah sie Remy an. Tief in ihr brodelte es, doch sie holte nicht nach dem Mönch aus.

Wie konnte er die Jagt verstehen oder auch nur den Hinweis ihres Begleiters? Er war ein Wurm, der sich hinter dicken Mauern verbarg, damit er ja nicht an die frische Luft kam. Ihre Stirn legte sich in Falten. Leise und sehr deutlich sprach sie zum Mönch. "Ihr hättet es besser sehen sollen. Es war kein Gier, die ihn antrieb, sondern der Hunger. Er verhält sich wie ein Wolf, der Beute für seine Familie schlägt. Präzise und nur aus dem Grund, damit sein Hunger gestillt ist. Er ist kein Tier, welches in einem Käfig hockt, Bruder."

Nathalia verdrehte sie Augen und ging hinter Remy her. Ihre Augen funkelten selbst in der Nacht. Sie hatten einen nussbraunen Schein. "Ehrenhaft? Herausforderung? Wer hat euch diese Worte gelehrt? Steht das in Büchern? Hier geht es nicht um Ehre sondern um den reinen Willen zum Überleben, wenn man seit Tagen kein vernünftiges Mahl mehr bekommen hat. Der Esel hätte versuchen können zu entkommen. Ich band ihn los. Er erstarrte vor Schreck...weil es sein Verhalten war. Die Natur gibt ihm lange Beine zum Laufen. Er hatte die Gelegenheit zur Flucht und ließ sie verstreichen. Die Natur macht keine Unterschiede. Das Leben ist hart."

Nathalia rief Remy die letzten Worte zu, ließ ihn gewähren. Der Mönch hatte wahrhaft wenig vom Leben im Wald oder Natur erlebt. Ein tiefer Seufzer entsprang ihren Lippen, als sie sich umdrehte und in dem Moment in die Augen des Fremden sah. Sie erschreckte, fasst dennoch ihren Mut zusammen und reagierte entsprechend. Noch wollte sie mit ihm nichts zu tun haben. Sie war kein Tier wie er...allerdings wusste sie um ihre Instinkte und Bedürfnisse. Die Arme seitlich am Körper nickte sie dem Jäger zu. Sie drehte ihren Hals so, dass er ihre Kehle sehen konnte. Den Blick nach Unten gewandt. So hatte sie es bei Wölfen gesehen. Der Jäger sollte sehen, dass sie keine Gefahr für ihn war.

"Ich bin Nathalia, wäre es nicht höflicher, wenn ihr euch der Dame zuerst vorstelltet?" Sie blickte wieder auf in die dämonischen Augen des Gangrel. Die Stimme ohne einen warnenden Unterton. Wie eine Dame...reagierte sie einfach mal. Vielleicht hatte die Bestie ja Manieren. "Ich wollte mich euch nicht in den Weg stellen... ", kam es ihr mit einem flüstern über die Lippen.
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« Antworten #100 am: Februar 26, 2010, 23:27:38 »

"Höflichkeit ..."

Er stieß scharf die Luft aus.

"Normen von Menschen. Ich bin keiner mehr, warum sollte ich mich an ihre Ketten fesseln. Ich bin Fedai von den Gangrel."

Zumindest hatte man ihm das so beigebracht, die würden schon etweas damit anfangen können.
Den Mönch ignorierte er, behielt ihn aber im Augenwinkel, damit er ja keine falschen Bewegungen machte.
Er blieb 3 Schritt vor Nathalia stehen. Genug um die Distanz im Falle schnell zu überwinden, entfernt genug um nicht überrumpelt zu werden.


"Und doch habt ihr es versucht. Es war klug von euch es nicht zu vollenden."
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« Antworten #101 am: Februar 27, 2010, 20:49:04 »

"Wenn man sich unter ihnen bewegt, sollte man es tun, doch denke ich, trifft es bei euch nicht zu...Fedai von den Gangrel. Wie Bruder Remy schon sagte, seit ihr mehr Tier als ... Mensch." Das Wort Mensch betonte sie dabei auf lang und Zähne knirschend. Es hallten die Worte von dem Ritter wieder, der sie begleitet hatte. 'Nimm deinen Zustand an und wünsche nicht ein sterblicher zu sein.' Ich bin nicht wie der Mönch...auch wenn ich keine Lust auf mein Tier verspüre!. "Ich bin wie ihr ein Vampire... ."

Ein Lächeln huschte über die weiblichen Züge. "Gegen euch war mein Handeln töricht, doch ich hatte noch eine gescheite Eingebung." Ich muss was finden, was mir einen Vorteil verschafft gegen ihn. Die Krallen sind eine Gefahr. Wer weiß, ob ich ihm trauen kann. Nathalia betrachtete den Mann in der Lederrüstung lang. Sie behielt das Lied der Erde in ihrem Geist, damit sie es früh genug aussprechen konnte. Der Abstand war gering. Wäre wohl besser, wen sie das Thema auf etwas anderes lenkte.

"Was treibt euch hier her?"
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« Antworten #102 am: Februar 28, 2010, 19:51:11 »

Remy richtete seine Augen auf das Seil und den Einstieg in die Höhle. Er prüfte sehr genau, wie fest das Seil sass und wo er möglicherweise seinen Fuss als erstes hinsetzen könnte. Seine Ohren jedoch, mit ihren scharfen Sinnen, waren voll und ganz auf das Gespräch der beiden gerichtet.

...von den Gangrel, überlegte er, also eine Gruppe. Vielleicht sein Hexenzirkel? Oder doch etwa sein Clan?

Zumindest war dies eine Information mehr. Und was auch immer die beiden noch besprechen würden, er würde weiterhin zuhören. Wer vermochte schon zu sagen, wann dieser besessene Tierkainit etwas teuflisches versuchte. Zumindest wollte er in der Lage sein, Nathalia zu helfen, wenn es nötig wäre. Darum beschränkten sich seine Handlungen auf das Überprüfen des Knotens, anstatt dass er sich allein an den Abstieg wagte.
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« Antworten #103 am: Februar 28, 2010, 22:05:02 »

"Warum sollte ich mich also unter ihnen bewegen wollen? Sie sind unsere Beute. Der Wolf bildet auch keine Rudel mit den Schafen."

Fedai ging in die Hocke, die Augen aber immer auf die Frau gerichtet. Seine Krallen graben sich mühelos durch das Erdreich und mit einem zufriedenen Lächeln fährt er seine natürlichen Waffen wieder ein. Die Hände sahen jetzt wieder menschlich aus, auch wenn man an seinen Handgelenken Federansätze sehen konnte.

"Eingebung ... die Natur vergibt keine Fehler Weib. Ein Schritt zu viel kann ein tödlicher Fehler sein. Die Natur kennt keine Gnade. Der Wald ist voller tödlicher Gefahren und Ihr lauft blauäugig hinein."

Er legte seinen Kopf schief und achtete auf jede Bewegung der Frau.

"Ich bin weder Tier noch Mensch. Ich bin ein Kainit. Ein Gangrel. Ein Raubtier. Ernährt ihr euch nicht auch von Blut? Ich folge meinem Instinkt und nutzte die mir überlassenen Gaben."

Aus seiner Kehle drang plötzlich ein Schrei, der sich verdächtig nach einem Vogelschrei anhörte und kurz darauf landete auf seiner Schulter ein Raubvogel, dessen Blick für Nathalia aber erstaunlich intelligent aussehen mochte.

"Ich bin auf der Jagd. Auf der Jagd nach einigen Rittern in Purpur und Gold die meine Hütte vernichteten und meine Erzeugerin vernichteten.
Und was suchen ein junges Weib und ein 'Bruder' hier im Wald?"
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« Antworten #104 am: Februar 28, 2010, 22:34:13 »

Er hat Krallen und kann sie einfahren. Warum besitzt er nun Federansätze an den Handgelenken?, fragte sich die junge Frau, doch dass wollte sie ihn später fragen, denn noch war er hier die Gefahr. Er konnte sie immer noch anspringen. Seine Krallen hatten den Esel zerfetzt. Sie konnte sich nur ausmalen, was er damit bei ihr anrichten konnte. Nathalia vergrößerte den Abstand zum Gangrel, in dem sie sich von ihrer jetzigen Position wegbewegte und nur kurz auf den Boden sah.

"Blauäugig...?" Ihre Stimme wurde leiser. Sie sprach ruhig weiter. Eigentlich hätte sie Lust gehabt, Schärfe in ihre Worte zu packen. Sie tastete vorsichtig nach der Stelle ihres kleinen Messers. "Man kann sich auch leiser durch einen Wald bewegen als Jäger." Sagte sie verächtlich. Sie wusste noch, wie man sich anschleichen konnte. Allerdings war ihr nicht nach Streit mit dem Gangrel. Er hatte einen deutlichen Vorteil.

"Ich bin ebenfalls ein Kainit. Hm...Unholde nennt man meinen Clan. Instinkte...ja...ein Weg, seine Bedürfnisse zu stillen, sich zu nähren von Tieren oder Menschen. Ich unterschätze die Quelle meiner Nahrung nicht. Ich versuche eher sie zu täuschen."

Nathalia sah plötzlich interessiert zum Gangrel, als er einen Schrei von aus seiner Kehle stieß. Sie sah dem Raubvogel in die Augen. Unterhiel sich aber weiter mit dem Gangrel. Sie lächelte und wusste irgendwie, dass auch er mit Tieren sprechen konnte. Einen Moment zögerte sie, dann gab sie zumindest einen Teil ihrer Mission preis. Immerhin verfolgte auch er irgendeine Art von Rache. Die Beschreibungen von ihm waren ihr nur zu bekannt.

"Ich habe eine Spur für den Mönchen und mich verfolgt. Der Geruch des Esels führte mich hierher sowie einigen Spuren. Der Fürst des Landes hat uns hierher geschickt."

Sie näherte sich dem Gangrel und sah dem Raubvogel in die Augen. Ihr Kopf legte sich schief und ein leieses Kreischen drang aus ihrer Kehle. 'Wer bist du?'
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