...Er war fort.
Er streifte den Vorhang beiseite und trat hindurch.
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Barnuta starb in den tiefen einer Tropfsteinhöhle.
In der Nacht zum 18. Mai 1204 saugte ein rasendes Monster, daß ihm zuvor noch das Leben gerettet hatte, sein Blut bis auf den letzten Tropfen aus.
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Rachamiel wartete auf ihn.
Wisset, daß ihr entsteht, um zugrunde zu gehen
Stimme... eine vergangene Stimme...
"Mein Herr, Ich bin Frederic Marcin, meines Zeichens Forscher und Sammler von Artefakten."
Er ergriff Barnutas Hand und Schüttelte sie wie beim ersten Mal.
"Mein Instinkt sagt mir, ihr seid ein fehlendes Stück eines komplexen Rätsels. Mit Euren Fähigkeiten und meinem Wissen, können wir ein großes Geheimnis aufdecken...aber,"
Er setzte sich unsicher.
"Ich wollte nicht unhöflich sein, Euch in meine Angelegenheiten hineinzuziehen..." ...Rachamiel war nackt, sein langes offenes Haar fiel über seinen hellen gestählten Körper. Die wabernde Schwärze, in der sie sich befanden, wurde von dem Knaben verdrängt. Ein goldener Schein ging von ihm aus. Er hielt ihm die Hand hin, den Rücken zum Boden gekehrt.
"Kommt mit mir," sagte er.
Als seine Finger Rachamiels umschlossen, strömte das goldene Licht in ihn.
"Ich werde dir zeigen, was deine Bestimmung ist."
Ihr seid das weiße Lamm, das sanfte Opfer
Stimme... eine vergangene Stimme...
"Ihr versteht noch nicht...." er sah nach unten..."Ihr könntet mir helfen, eine bedeutende Entdeckung zu machen...vielleicht sogar, die Existenz Gottes zu beweisen..."
Noch enttäuschter dreinblickend, setzte er sich wieder.
Wieder stand er auf, und ergriff Barnutas Hand.
"Besucht mich doch heute Abend. Ich zeige Euch meine Sammlung. Dann werdet ihr einsehen, warum Ihr so wichtig für mich seid."
Marcin wartete auf eine Antwort, ehe er sich zu gehen wandte, fügte aber zuvor noch mit ernstem Blick hinzu:
"Joel hat sich noch niemals geirrt."... Er fühlte sich gezogen. Undeutlich sah er seinen Körper daliegen, in enger Umarmung mit dem blutroten Todesengel. Wie glitzernde Geister stiegen sie auf. Das undeutliche graue Felsenlabyrinth flog an ihm vorbei. Unendlich erschien es, und doch verging keine Zeit, kein Augenschlag,
Rachamiel bedeutete ihm mit einem Lächeln, dass sie schon am Ende angelangt waren, und sank sanft mit ihm nieder. Er musste nicht stehen, er schwebte weiter. Sie sahen nichts, als eine Felswand.
"Das Ende," begann Rachmiel, "ist vorherbestimmt. Doch wo es liegen mag, vermögen nur die Vermessenen zu sagen."
Er senkte den Kopf und öffnete Das Auge. Ein Lichtstrahl ging davon aus, der das wahre Antlitz der Felswand offenbarte: Ein weißes Tor, so hoch dass er den Kopf nah oben richten musste, um deine Höhe sehen zu können.
Ihr seid der größte Teil von Kains spende
Stimme... eine vergangene Stimme...
"Ich bin Gelehrter. Mein Spezialgebiet ist die Erforschung biblischer Schriften. Ich reise durch die bekannte Welt um Originalschriften und Zeitzeugen zu besuchen. Damit meine ich alte Tempel, verborgene Höhlen und ihre Statuen. Eines Tages stieß ich in Anatolien auf eine Steintafel. Sie war tief in einem Stollen im Berg Ararat verborgen und von Fallen und einem Wächter beschützt. Ich nahm sie an mich. ...Vor dem Tor stand ein Mann. Er war klein und gebeugt, der Körper nur noch Haut und Knochen. Seine Kleidung war längst verrottet, die Haut dunkelbraun. Er klammerte sich an einem verrosteten Zweihandschwert fest, mit dessen Hilfe er mühsam das Gleichgewicht hielt. Als er sie bemerkte, richte er sich leicht auf. Ein paar Schritte kam er auf sie zu, das Schwert hinter sich her schleifend. Mühsam steckte er es in den Boden und stützte sich wieder darauf. Er sah Rachamiel direkt in die Augen.
"Deine Aufgabe ist erfüllt. Gehe in Frieden," schmirgelte seine Stimme wie Sand.
"Deine Aufgabe ist erfüllt. Gehe in Frieden," antwortete Rachamiel sanft.
Eine einzelne Träne rann über die Wange des Mannes. Seufzend ging er in die Knie, und hauchte sein Leben aus. Wie ein Liebender hielt er das Schwert umklammert, als könne er es mitnehmen.
Und auf Euren Schultern soll seine größte Sünde lasten,
Stimme... eine vergangene Stimme...
Sein Blick machte die Runde und flog über eine Tontafel, Eine kiloschwere Steintafel, eine lederne Schriftrolle, die er Dank seines guten Gedächtnisses wieder erkannte, ein Stück Treibholz und einen Faustgroßen Halbedelstein.
Alle Gegenstände waren mit Schriftzeichen verschiedener Art und Herkunft geziert, wußte Barnuta, auch wenn der Inhalt de Schriftrolle augenscheinlich verborgen war....Das Tor öffnete sich. Es schwang nicht auf, es glitt seitlich in die Wand, gerade so weit, daß sie hindurchschlüpfen konnten. In einer riesigen Halle, die von Salzsteinsäulen gesäumt war, thronte in der Mitte ein kleiner Altar. In einem Augenschlag waren sie dorthin geschwebt. Dort lag sie. Die Erfüllung van Rachamiels Schicksal. Eine bronzene Scheibe lag darauf. Ein lateinischer Text war darin eingraviert.
Er las…
… und verstand.
Denn ich allein unter den Kainskindern habe
Stimme... eine vergangene Stimme...
"Ich bin alt, Barnuta, älter als ich scheine." Er begann im Kreis zu laufen und über die Fragmente zu streichen, als wären es Kinder.
"Könnt ihr Euch etwas unter dem Begriff Kainskind vorstellen?"...Er hatte sich die Worte gut eingeprägt, auf das er sie niemals vergessen würde.
"Hier..," begann Rachamiel bedeutungsvoll, "... am Ende meiner Zeit und am Anfang deiner Zeit, sollst du den Namen, der dir von deinem Volk gegeben worden ist, ablegen, und deinen wahren Namen enthüllen. Er war schon immer in deiner Seele, doch erst jetzt wirst du ihn ausprechen können. Schweige und dann sprich."
Barnuta schwieg und wartete. In seinem Geist bildete sich ein Wort: "Rujanel."
Ihn Droben um Vergebung angefleht,
Stimme... eine vergangene Stimme...
Marcin folgte den Spuren eines bestimmten Untoten. Inzischen hatte er sogar seinen Namen verraten: Saulot, der Sanfte. Er soll an Gott festgehalten und seine Brüder dazu bewegt haben, sich seiner Sache anzuschließen. ER soll den Sanften erhört haben. Nun ziehe er durch die Welt, seine abtrünnigen Brüder auf den Rechten Weg zurück zu bringen. Er hatte spuren hinterlassen, Fragmente eines Vermächtnisses.
Der wahre Grund, warum Marcin nach ihnen suchte, sein ganzes Leben ihrer Vervollständigung gewidmet hatte, blieb weiter Schleierhaft. Er schien von einem ehrenhaften und vor allem ehrlichen Schlag zu sein. Er war durch und durch Christ, doch mit "offenen Augen", wie er es nannte. Er war fasziniert von der Möglichkeit, all sein Wissen könnte der Wahrheit entsprechen.
Barnuta gewann den Eindruck, seiner Bekanntschaft liefe die Zeit davon; nein eher als strebe er einer Entgültigkeit entgegen.... "Rujanel…" wiederholte Rachamiel zustimmend. Einen Moment lang blieben sie noch, in dieser Leeren Halle, in der es absolut still war, jeder für sich allein.
"Wir müssen gehen, wir haben nicht mehr viel Zeit," drängte Rachamiel. Er ergriff wieder Rujanels Hand und zog ihn mit sich.
Innerhalb kürzester Zeit hatten sie ihre Körper, an denen schleichend Schwärze empor kroch, erreicht. Rujanel sah, wie sein altes Ich seinen Tod fest umklammert hielt. "Es tut mir Leid, daß es so enden muß," sagte Rachmiel, "Das Tier hat Besitz von mir ergriffen, und ich ließ es gewähren. Ich… ich hätte dir dein Leben nicht nehmen können. Ich hätte dich nicht in die Nacht ziehen können. Das ist mein Preis den ich nun bezahlen muß: Ich gehe mit einer Sünde. Ich habe dich ermordet."
Und ich empfing Besuch von den schlimmsten Dämonen dessen Drunten
Stimme... eine vergangene Stimme...
"Ich ziehe schon länger durch die Lande, als ich bisher zugab. Meine Reise dauert schon mein ganzes Leben an, und ich spüre, hier ist das Ziel. Damit ist es für mich Zeit, einen Erben zu bestimmen, ihm all mein Wissen zu übergeben, damit ich endlich in Frieden ruhen kann."
Seine Stimme wurde leiser und sanfter. Er hob den Blick und sah ihn an. Barnuta erkannte zwei Dinge in den Seinen: unerklärliches Leid und... Frieden.
"Ich bin selbst ein Nachfahre dessen, dem ich folge. Ich bin ein Nachfahre Saulots, des Sanften. Mit anderen Worten: Ein Kainskind.
Doch im Gegensatz zu vielen anderen, bin ich meinem Gründer auch philosphisch gefolgt. Ich habe die Erleuchtung erlangt, und habe den Fluch abgeworfen. Ich bin bereit zu gehen."... "Ich kann nicht vor den Herrn treten. Deshalb werde ich dir nicht nur ein Leben wieder geben, sondern du sollst meines auch bekommen. Ich schenke dir meine Seele.“ Mit diesen Worten strich er sanft über Barnuas Haar. Er setzte sich dazu nieder, so das seine Knie neben seinem liegenden Körper ruhten.
„Wenn du einmal nicht weißt was du tun sollst, horche in dich hinein. Ich werde in dir sein. Ich lasse dich nicht allein, auf deinem Weg. Er wird hart und weit sein…"
Jenen Schlangen die mich im Schlaf bissen
Stimme... eine vergangene Stimme...
"Ich bin Rachamiel! Ich zähle zum Clan Salubri!" rief er.
Seine Stimme pflanzte sich in einem Echo durch die Höhle fort. Das Alter fiel von ihm ab, als würde es einfach weggewischt. Die Haut zog sich glatt, das grau aus dem Haar verschwand und wich einer hellbraunen Mähne. Er strich sein Stirnhaar beiseite. Das, was Barnuta die ganze Zeit für eine tiefe Falte gehalten haben mußte, entpuppte sich als waagrechtes Drittes wimpernloses Auge, daß sich langsam öffnete. Die Iris hatte die gleiche Farbe wie die anderen beiden Augen: Rehbraun.
"Ich bin einer der dreizehn Wächter des Wissens! Ich hüte die Geheimnisse unseres Clansgründers!" , übertönte seine nun kraftvolle und reine Stimme jedes Tropfen, sogar das Rauschen des Blutes in Barnutas Ohren.
Seine Kleidung veränderte sich, und wich einer strahlend weißen Robe, ohne Schmuck.... "Es ist deine Aufgabe, die letzten Worte Saulots zu bewahren.
Es ist deine Aufgabe, ihren Sinn zu begreifen.
Es ist deine Aufgabe, die Wahrheit zu erkennen
Es ist deine Aufgabe nach der Erleuchtung zu streben."
Jenem üblem Gewürm, das mein Blut aussaugte,
Stimme... eine vergangene Stimme...
"Ein Vampir fürchtet sich nur vor einem: Dem Tier.
Es wohnt jedem inne.
Untot zu sein ist... ein Kampf. Manche verfallen ihm, und werden zu Monstern. Andere nutzen es aus und werden zu gefährlichen Monstern. Und andere, wie ich, kämpfen dagegen an, und bewahren sich ihre Menschlichkeit. Dir würde es vorbestimmt sein, nicht nachzugeben, und immer dem Weg der Menschlichkeit zu folgen.
Das Tier, kämpft auf verschiedene Weisen, und du wirst lernen müssen, ihm etwas entgegen zu setzen.
Das ist der wahre Fluch, Barnuta."... "Gefahren lauern auf dich. Gib dich nicht zu erkennen, verbirg dich. Sprich nicht über deinen Clan, nicht über dein Alter. Daß du dir meine Seele nicht genommen hast, sondern ich sie dir geschenkt habe, wird dir niemand glauben. Dennoch werden sie es spüren, dass du den Amaranth begangen hast, auch wenn sie nichts darüber wissen. Sprich nicht darüber. Es sei denn, es rettet dein Leben. Verschweige meinen Namen. Hüte dich vor den Hexern, den Tremere, den Ursupatoren. Ich habe gesehen, daß sie uns jagen. Sie töteten Saulot, sie taten das mit ihm, was du mit mir tust, sie nahmen seine Seele. Einer von ihnen, Tremere selbst, tat es. Er sperrte Saulot in seinem Körper ein. Erst wenn er fällt, wird Saulot erlöst sein.
Sie werden nicht eher ruhen, bis wir fort sind."
Er machte ein Pause.
"Furcht soll dich aber nicht leiten. Dir werden nicht nur Feinde begegnen. Freundschaften sind gefährlich, aber scheue dich nicht, dieses Risiko einzugehen. Halte dich nicht zu weit von den Menschen fern, jedenfalls noch nicht. Du wirst viel über das Leben lernen müssen. Nutze die Gabe des Sehens um die Wahrheit zu erkennen. Stärke deine Seele um keine Schwäche zu zeigen. Heile jene, die Schwächer sind als du. Dann wirst du die finden, die dir wohlgesonnen sind. Nichts anderes hast du getan, seit du mich kennst."
Von ihnen lernte ich, dem Blut die Schwärze zu nehmen der Seele das Böse.
Stimme... eine vergangene Stimme...
Sanft griff er mit seinen Händen nach Barnutas Wangen und gab ihm den Bruderkuß.
Dieser unschuldige Kuß zeigte seine tiefe Ehrerbietung, er war rein, wie der Kuß eines Kindes - oder eines Engels.
Rachamiel küsste nicht Barnutas Lippen, sondern eher etwas tief in ihm, daß er schon lange nicht mehr hatte zeigen oder berühren lassen können.... Der Todesengel regte sich. Barnuta war inzwischen erschlafft und hatte seine Umarmung gelöst. Rachamiels Wunden heilten nicht, aber er stützte sich auf Rujanel liegend auf den verbleibenden Arm und zog sich nach oben, bis er mühsam wieder zum liegen kam. Nun tropfte langsam sein Blut in Barnutas Mund.
Er schluckte, versuchte sich wegzudrehen.
„Das ist das Elixier deines Lebens, die Vitae,“ erklärte Rachamiel. „Du wirst dich darum kümmern müssen, dass du immer genug zur Verfügung hast, sonst fällst du in Starre, und kannst dich nicht so einfach regeneriere, wie ich es tat. Es ist ein geliehenes Leben, denn nichts anderes wird dich nähren.“
Barnuta sah sich zupacken, und gierig trinken.
„Schäme dich dessen nicht. Du musst nicht töten. Es schmerzt die Menschen und Tiere nicht. Nimm nur wenig, dann wirst du ihnen keinen Schaden zufügen. Nicht einmal eine Wunde wird zurückbleiben. Du wirst ohnehin niemanden mehr verletzen können, ohne selbst den Schmerz zu erleiden. Das ist der Fluch der auf unserer Kaste lastet, der Kaste der Wächter.
Doch… es ist Zeit für dich zurückzukehren. Gleich wirst du nicht mehr auf dieser Seite sein. Ich werde mit dir gehen...“ Sanft Griff Rachamiel in die Luft, und zog das Leichentuch beiseite. Ohne zurückzublicken, Schritten sie hindurch.
Und obzwar ich sterben mag, werdet ihr, meine Kinder weiterleben.
Stimme... eine vergangene Stimme...
An der Rückwand war ein Brett aus mittlerweile versteinertem Holz angebracht. Es war mit spitzen Pfählen gespickt, die in der Mitte meist abgebrochen waren.
Unglücklicherweise war Rachamiel Seitlich hineingeraten, wo er an den längeren Spitzen aufgespießt worden war. Hilflos stand er beinahe aufrecht, seinen Brustkorb, Beine und Arme durchstochen. Seine Rippen waren eingedrückt, als wäre er zwischen Hammer und Amboss geraten. Sie hatten sich durch die Haut gebort und gaben ihm unter der Robe eine verzerrte Gestalt. Eine große Menge Blut klebte an der Wand und war auf dem Boden verteilt. Sein Gewand hatte sich ebenfalls rot gefärbt.
Rachamiels Augen waren aufgerissen, sogar das normalerweise geschlossene Dritte Augen auf seiner Stirn. Überraschung war darin eingraviert, und kein Leben war in ihnen zu sehen....Rujanel kehrte in Barnutas Körper zurück. Er brannte. Dort wo sein Blut gewesen war, brannte Feuer.
Als der Schmerz langsam verebbte, blieb keine Leere, wie sie nach einem Brand bleib.
Etwas blieb zurück. Es war ein Teil von ihm, und doch war es Fremd. Das Biest. jetzt wo er ihm begegnete, verstand Rujanel. Es würde davon abhängen, zu was für einem Wesen er würde, welchen Weg er wählte. Er musste sich mit ihm vertragen, wenn er er selbst bleiben wollte. Das dort, diese reißende Bestie, war er selbst, doch zugleich war es auch eine düstere Prophezeihung, etwas das wahr werden konnte.
"Trink..." stöhnte Rachamiel.
Das Tier stimmte ihm zu. Rujanel glaubte ihm und wusste selbst, daß es gut für ihn war.
Er war nicht genug vorbereitet worden auf diesen Moment. Zu Schwach und zu überfordert war er, zu widerstehen, oder auch nur den Körperreflexen entgegen zu wirken. Er tat es. Jetzt, wo er mehr bekam, spürte er den Hunger.
Das Leben fehlte ihm, und Rachamiel bot es dar. Mit jedem Schluck fühlte er sich lebendiger. Er trank nicht nur, er nahm etwas auf. Er spürte, wie mächtig Rachamiel war, wieviel er wusste, wieviel er gesehen hatte.
Öffnet euer Auge und seht die Welt, wie sie wirklich ist,
Stimme... eine Stimme...
Rachamiel war nackt, sein langes offenes Haar fiel über seinen hellen gestählten Körper. In der Schwärze, in der sie sich befanden, wurde von dem Knaben verdrängt. Ein goldener Schein ging von ihm aus. Er hielt ihm die Hand hin, den Rücken zum Boden gekehrt.
"Kommt mit mir," sagte er.
Als seine Finger Rachamiels umschlossen, strömte Licht in ihn.
"Ich werde dir zeigen, was deine Bestimmung ist."...Rachamiel schrie. Er klammerte sich an Rujanel fest. Fingernägel bohrten sich in seine Schultern. "Hör nicht auf!" brüllte er mühsam. "Nimm mein Herz!"
Das Tier stachelte ihn an. Er näherte sich dem Apfel der Erkenntnis.
Nimm!
Trink!
Töte!Ein einziger Schluck, so süß, daß er sein Leben dafür hergegeben hatte. Ihre Herzen wurden Eins. Ganz plötzlich wusste er alles über Rachamiel. Sein Leben, seine geheimsten Gedanken. Alles gehörte plötzlich ihm. Er war noch zu jung um es zu begreifen, eins jedoch spürte er ganz genau: Daß Alles, sein Tod und auch das, was kurz davor und danach geschah, hätte ganz anders passieren sollen. Rachamiel litt unendlich, unter seinen Taten.
Die Welt um ihn herum wurde weiß.
Sie waren unversehrt. Sie hielten sich fest, aufrecht stehend. Rachamiel ließ seine Arme an den seinen heruntergleiten und ging einen halben Schritt zurück, um Rujanel anzusehen. "Ich mochte dir danken," sagte er und legte den Zeigefinger auf Rujanels Lippen.
"Ich weiß du wirst einen guten Weg finden. Du wirst die Welt ein Stück besser machen. Wenn man ein Leben rettet, rettet man die ganze Welt. Vergiß das niemals." Rachmiel ging auf die Knie.
"Ich weiß, daß du mich erlösen wirst, eines Tages. Doch zu erst, erlöse dich selbst. Lerne, das Dritte Auge zu öffnen. Es wird dir die Wahrheit offenbaren."
Er legte sich nieder, bettete den Kopf auf dem Arm.
"Ich bin müde. Macht es dir etwas aus, wenn ich mich ausruhe? Wecke mich, wenn du mich brauchst, auch wenn du dich nur allein fühlst. Ich habe lange nicht geruht."
Er schloss die Augen.
Rujanel öffnete die Augen.
Und wisset, daß das, was ihr jetzt tut, eine weitere Generation heilen wird.
Stimme...
Rachamiel ließ seine Arme an den seinen heruntergleiten und ging einen halben Schritt zurück, um Rujanel anzusehen. "Ich mochte dir danken," sagte er und legte den Zeigefinger auf Rujanels Lippen.
"Ich weiß du wirst einen guten Weg finden. Du wirst die Welt ein Stück besser machen. Wenn man ein Leben rettet, rettet man die ganze Welt. Vergiß das niemals." Rachmiel ging auf die Knie.
"Ich weiß, daß du mich erlösen wirst, eines Tages. Doch zu erst, erlöse dich selbst."
Er legte sich nieder, bettete den Kopf auf dem Arm.
"Ich bin müde. Macht es dir etwas aus, wenn ich mich ausruhe? Wecke mich, wenn du mich brauchst, auch wenn du dich nur allein fühlst. Ich habe lange nicht geruht."
Er schloss die Augen....Rujanel erwachte. Zunächst glaubte er, er könne sich nicht aufrichten, weil sein Körper zu zerschunden war, und Rachamiels Gewicht auf ihn drückte. Als er gewohnheitsmäßig einatmete, bekam er Staub in die Nase.
Er musste jedoch nicht niesen. Er endeckte, daß er nicht atmen musste. Der drang dazu war verschwunden, wie ausgeschaltet. Sein Herz schlug nicht ein einziges Mal.
Wo war Rachamiel?
Etwas rieselte von seiner Brust und seinem Gesicht.
Seine Finger tasteten danach...
... seine Nase trügte ihn nicht...
...Asche.