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Autor Thema: 13 1/2 Leben des Käpt'n Blaubär, Die - Walter Moers  (Gelesen 24028 mal)
Beschreibung: Fantasy
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« am: Januar 06, 2008, 18:28:10 »

Autor: Walter Moers
Titel: Die 13 ½ Leben des Käpt'n Blaubär
Verlag: Goldmann Verlag
Seitenanzahl: 703 Seiten
Erscheinungsdatum: Dezember 2002
ISBN: 3-442-45381-X
Bestellen bei: Amazon


Ein Blaubär hat siebenundzwanzig Leben. Dreizehneinhalb davon gibt Käpt'n Blaubär in diesem faszinierenden Buch preis und entführt die Leser auf den sagenhaften Kontinent Zamonien, wo Intelligenz eine übertragbare Krankheit ist und die Sandstürme viereckig sind, wo hinter jeder Idylle eine tödliche Gefahr lauert und all jene Wesen hausen, die aus unserem täglichen Leben verbannt sind. Auf seiner abenteuerlichen Reise durch Zamonien begegnet Blaubär Zwergpiraten, Klaubergeistern, Tratschwellen, der Berghutze Fredda oder Stollentrollen, durchstreift Zamonien von den Finsterbergen über die süße Wüste bis Atlantis und folgt dabei stets dem Motto des Rettungssauriers Deus X Machina: "Das Leben ist zu kostbar um es dem Schicksal zu überlassen..."

"Die 13 ½ Leben des Käpt'n Blaubär" ist ein packender Fantasyroman, der in eine Welt entführt, in der Phantasie und Humor auf abenteuerlichste Weise außer Kontrolle geraten sind. Moers' Roman sprudelt nur so vor bizarren Ideen und Einfallsreichstum, und auf geschickte Weise werden Witz und Spannung kombiniert - Fantasy in seiner reinsten Form. "Gelungenere Unterhaltung wird es in absehbarer Zeit schwerlich geben", lobte die "FAZ".

Wer Käpt'n Blaubär nur aus der Sendung mit der Maus kennt und ein Kinderbuch erwartet verfällt einem schweren Irrtum. Obwohl es sich um dieselbe Person, nur in jüngeren Jahren, handelt hat das Buch rein gar nichts mit der Kinderserie zu tun. Sicherlich ist es auch ein schönes Abenteuerbuch für Kinder, doch erst Erwachsene werden jeden Witz und jede Anspielung begreifen und sich ebenfalls köstlich amüsieren. Ich zumindest habe mich an einigen Stellen schier vor Lachen gekringelt... Wink

Das Buch ist nicht besonders anspruchsvoll geschrieben, jedoch keinesfalls als niveaulos zu bezeichnen. Vielmehr ein lustiger Unterhaltungsroman, über ein märchenhaftes Reich in dem alles möglich ist - nur nicht die Langeweile.

Leseprobe:
Der Ozean lag nun seit Tagen wieder ruhig und silbern da, nur ab und zu segelte ein Schönwetterwölkchen über den Horizont. Nachdem ich die Moloch gesehen hatte, verlor ich jeglichen Respekt vor meinem eignen Wasserfahrzeug. Eindringlicher konnte einem, der Unterschied zwischen einem Schiff und einem Floß nicht vor Augen geführt werden.
Ich erwog gerade die Möglichkeit, einfach ins Wasser zu springen und schwimmenderweise das Land zu erreichen, als ich klar und deutlich zwei Stimmen hörte:
"Naja also auf jeden Fall - ich kann dir sagen!", sagte die eine.
"Ist nicht die Möglichkeit!", rief die andere.
"Wenn ich's dir doch sage!", erklang wieder die eine Stimme.
"Na, du kannst mir viel erzählen!", sagte die andere.
Ich stellte mich auf die Zehenspitzen. Nichts, gar nichts weit und breit. Nur Wellen.
"Ich hab's dir neulich schon gesagt! Sag nicht dass ich es dir nicht gesagt habe!"
Klopfte da der Wahnsinn an meine Tür? Schon mancher wackere Seemann hatte durch die Eintönigkeit der Ozeane den verstand verloren. Ich sah nur Wellen. Kleine Wellen, mittlere Wellen und zwei ziemlich große Exemplare, die sich direkt auf mich zubewegten. Je näher sie kamen, desto deutlicher wurden ihre Stimmen.
"Du hast mir gar nichts zu sagen! Wenn hier eine das Sagen hat, dann ja wohl ich!"
Es waren die beiden Wellen, die da quasselten.

Aus dem
"Lexikon der erklärungsbedürftigen Wunder,
Daseinsformen und Phänomene Zamoniens
und Umgebung"

Von Prof. Dr. Abdul Nachtigaller

Tratschwellen, die: Tratschwellen entstehen fast ausschließlich in besonders abgelegenen, ereignisarmen und mäßig beschifften Gegenden der Ozeane, meistens während anhaltender Flauten. Eine genauere wissenschaftliche Betrachtung und Herkunftsanalyse hat bisher noch nicht stattgefunden, da Tratschwellen dazu neigen, ihre Opfer um den verstand zu bringen. Die wenigen Wissenschaftler, die es gewagt haben, Tratschwellen zu erforschen, sitzen heute in gutbewachten Gummizellen oder ruhen auf dem Grund des Meeres, in Form von Gerippen, durch die die Tropenfische schwimmen.
Normalerweise erscheinen Tratschwellen ausschließlich Schiffbrüchigen, umkreisen dann tage- oder wochenlang die Hilflosen und setzen ihnen mit ihren geschmacklosen Scherzen und zynischen Bemerkungen über die Aussichtslosigkeit der Lage so lange zu, bis die Bedauernswerten den von Wassermangel und Sonnenbestrahlung schon strapazierten Verstand vollends verlieren. Eine alte zamonische Sage ist der Ursprung für den populären Irrglauben, die Tratschwellen seien die wellengewordenen Gedanken eines gelangweilten Ozeans.

Es sind schon mehr Schiffbrüchige durch Tratschwellen umgekommen als durch verdursten. Aber das wusste ich damals noch nicht. Für mich war es jedenfalls eine willkommene Ablenkung in der Ödnis der Flaute.
Die beiden Wellen waren nun ganz nahe herangekommen. Als sie mich sahen, auf meinem wackligen Floß, nackt und ausgebleicht von der sengenden Sonne, bekamen sie einen Lachanfall.
"Du meine Güte!", schrie die eine Welle. "Was haben wir denn da?"
"Einen Luxusdampfer!", kreischte die andere. "Mit Sonnendeck!"
Sie schwappten hin und her vor Lachen. Ich verstand nicht ganz, was sie meinten, aber ich lachte mit, um mit ihnen in Kontakt zu kommen.
Die Wellen umkreisten das Floß wie zwei Haifischflossen.
"Wahrscheinlich denkst du jetzt, du hast den Verstand verloren, nicht wahr?", fragte die eine.
"Sprechende Wellen sind das erste Anzeichen für einen Sonnenstich, wusstest du das?", die andere.
"Ja, und danach kommen singende Fische. Du solltest dir dein Schicksal erleichtern. Spring einfach ins Wasser!"
Sie schwappten hin und ehr und schnitten grässliche Grimassen.
"Huuuh!", rief die eine Welle.
"Buuuh!", die andere.
"Wir sind die Wellen des Grauens!"
"Spring schon! Mach der Qual ein Ende!"
Ich dachte nicht daran zu springen. Im Gegenteil, ich war hocherfreut, dass sich endlich jemand um meine Unterhaltung bemühte. Ich setzte mich and en Rand des Floßes und betrachtete amüsiert das Schauspiel.
"Mal im Ernst, Kleiner...", sagte eine der Wellen, nachdem sie bemerkt hatten, dass sie mit der Nummer bei mir nicht weit kamen. "Wer bist du eigentlich? Wo kommst du her?"
Das war das erste Mal in meinem leben, dass mich jemand etwas fragte. Ich hätte gerne geantwortet, aber ich wusste ja gar nicht, wie das geht.
"Was ist los, Junge?", fuhr mich die andere Welle schroff an. "Hast du deine Zunge verschluckt? Kannst du nicht sprechen?"
Ich nickte. Ich konnte zuhören, aber nicht sprechen. Weder die Zwergpiraten noch die Klabautergeister hatten darauf Wert gelegt, dass ich sprechen lernte. Mir fiel es auch gerade erst auf.
Die beiden sahen zunächst mich, dann sich selbst lange und tief betroffen an.
"Das ist ja furchtbar! Er kann nicht sprechen. Hast du so etwas Schreckliches schon jemals gehört?", sagte die eine.
"Das ist ja grauenvoll!", rief die andere. "Das stelle ich mir schlimmer vor als... als Verdunsten!"
Die Wellen umkreisten mich mit besorgten Gesichtern.
"Du Ärmster der Armen! Verurteilt zu ewigem Schweigen! Was für ein bedauernswertes Geschöpf!"
"Das ist wirklich das Erschütterndste, was ich in meinem bisherigen Leben gesehen habe!"
"Erschütterung ist kein würdiges Wort für meine Empfindungen angesichts eines solchen Schicksals! Tragik weht mich an!"
"Tragödie!", schrie die eine Welle.
"Klassische Tragödie!", die andere.
Sie fingen beide an, bitterlich zu weinen.
Von einer Sekunde auf die andere beruhigten sie sich wieder, steckten ihre Wellenkämme zusammen und beratschlagten sich:
"Ich habe überhaupt keine Lust ihn zu verhöhnen."
"geht mir genauso. Ich bin einfach zu betroffen zum verhöhnen. Es ist seltsam, aber... mir... mir ist irgendwie nach helfen zumute."
Die andere Welle schüttelte sich ein wenig. "Ja! Mir auch! Eigenartiges Gefühl, nicht wahr?"
"Ja... so fremd! Aber irgendwie... auch interessant! Wild! Neu! Nie dagewesen!"
"Wild! Neu! Nie dagewesen!", wiederholte die andere Welle begeistert.
"Nun ja - aber wie kann man ihm nur helfen? Was kann man da nur machen?"
Grübelnd zogen die Wellen ihre Kreise um mein Floß.
"ich hab's", rief die eine Welle. "Wir bringen ihm das Sprechen bei!"
"Meinst du, das geht?", zweifelte die andere. "Ich finde, er sieht ein bisschen minderbemittelt aus."
Eine der Wellen schwappte direkt zu mir hin. "Sag mal ,A'!", befahl sie, sah mir tief in die Augen und streckte mir eine Zunge aus Meerwasser entgegen.
"A!", sagte ich.
"Siehst du!", rief sie. "Wer A sagen kann, kann im Null Komma nichts auch Binominalkoeffizient sagen!"

Rezension erstellt von Ninchen
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Shilindra
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« Antworten #1 am: März 18, 2009, 12:29:30 »

Wenn man an Walter Moers denkt, denkt man auch an das Kleine Arschloch, den alten Sack oder Adolf.
Walter Moers hat sich immer durch einen gewissen Biß und einen morbiden Humor ausgezeichnet.

Bei die 13 1/2 Leben des Käpt`n Blaubär darf man sich von Walter Moers nach Zamonien entführen lassen. Was Walter Moers durch seine Sprachgewand schafft ist unglaublich. Dieses Buch, wie auch die nachfolgenden Bücher von Moers, bewegen sich sprachlich auf einem hohen Nievau. Sein Wortgewandtheit und der Umgang mit der deutschen Sprache ist unglaublich.

Walter Moers Bücher sind lesenswert!
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« Antworten #2 am: Januar 14, 2011, 13:55:59 »

Walter Moers Bücher sind definitiv lesenswert. Ich muss aber gestehen, dass mir eigentlich die späteren alle Besser gefallen, als Käpt Blaubär. Was aber nur meine eigene Position ist. Zum Beispiel ist die Stadt der Träumenden Bücher doch irgendwie bündiger und nicht so wild mit Ideen durchmischt. Wer aber die Grundlagen verstehen will, sollte auf jeden Fall auch dieses lesen, da in allen Nachfolgenden immer wieder Elemente auftauchen und man so die Zusammenhänge besser versteht.
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« Antworten #3 am: März 05, 2011, 15:29:15 »

Bestes Zitat aus dem Buch meines Erachtens:
Wer A sagt, kann in Nullkommanichts auch Binominalkoeffizient sagen.

Ansonsten wirklich sehr empfehlenswert.
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Shilindra
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« Antworten #4 am: März 06, 2011, 12:43:36 »

Das Zitat ist wirklich super!
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Standardnerd
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